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Kurt Eisner war jahrelang Redakteur des sozialdemokratischen VORWÄRTS, kam von Berlin nach Nürnberg und dann München, wurde im Lauf des Weltkrieges 1917 wieder Pazifist, nach dem der die anti-russische Propaganda durchschaute, und organisierte im Goldenen Anker in der Schillerstraße Montags-Gesprächsrunden der Unabhängigen Sozialdemokraten. Daraus entstanden (gleichzeitig reichsweite) Friedensdemonstrationen und Rüstungsarbeiter*innen-Streiks im Januar:

Sonja Lerch war Pazifistin und gehörte 1914 zu den ersten erklärten Kriegsgegnerinnen mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Als Mitbegründerin der Münchener USPD organisierte sie gemeinsam mit Kurt Eisner, Hans Unterleitner, Richard Kämpfer u. a. im Januar 1918 im Rahmen der Januarstreik-Aktionen einen Streik von ca. 3000 Münchner Munitionsfabrikarbeitern zur Durchsetzung des allgemeinen Friedens und wurde am 1. Februar 1918 wegen Landesverrats verhaftet.[6]“ Sonja Lerch https://de.wikipedia.org/wiki/Sonja_Lerch

Kurt Eisner aus der Haft entlassen – der Beginn der Revolution

http://raete-muenchen.de/kurt-eisner-aus-der-haft-entlassen

Vor gut 100 Jahren herrschte in München Hunger bei den Armen, der König bei den Adeligen, den Bankern, den Reichen und den Oberen der Kirchen. 1% der Bevölkerung besitzt bis heute 2/3 des Vermögens. Woran war die Revolution am 7. November 1918 im Endeffekt gescheitert?

Die Besitzenden hatten eine hetzende Presse und die Hirtenbriefe des Kardinal Faulhaber von allen Kanzeln, der dann 1919 massiv die Frauen mobilisieren konnte, gegen die Sozialisten, die das Frauenwahlrecht eingeführt hatten. Die Angriffe auf und die Niederschlagung der Räte-Regierungen ist erstmals zeitnah mit vielen neuen Quellen auch in der Öffentlichkeit nach zu verfolgen.

Kurt Eisner wird aus der Haft entlassen

München-Obergiesing * Abends, um 20:30 Uhr, kann Kurt Eisner die Haftanstalt Stadelheim verlassen.Er wird auf Entscheidung des 1. Senats des Reichsgerichts Leipzig entlassen, damit er an der am 17. Nov. stattfindenden Reichstagswahl teilnehmen kann. Und das, obwohl sich der Oberreichsanwalt gegen die Entlassung ausgesprochen hatte. In der Begründung zu diesem Gerichtsbeschluss wird aufgeführt, dass eine Fluchtgefahr ausgeschlossen sei und eine Verdunkelungsgefahr nicht besteht. Aus Bronzefiguren soll Kriegsmaterial werden

München * In zwei Listen werden Bronzefiguren aufgeführt, die den Metallbedarf der Rüstungsbetriebe geopfert werden sollen. Die erste Liste beinhaltet Werke, auf die man ersatzlos und für immer verzichten will. Dazu gehört unter anderem die Schwind-Büste auf der Praterinsel, das Senefelder-Denkmal, ein Germaniabrunnen und das Brunnenbuberl, das sich seinerzeit noch in der Anlage in der Sonnenstraße befindet.

Auf der zweiten Liste stehen Werke die nach dem Krieg wieder rekonstruiert werden sollen. Dazu zählt unter anderem das Maxmonument, Standbilder von Schiller und Goethe und der Wolfsbrunnen am Kosttor. Die nur wenig verbleibende Zeit bis zur Revolution rettet die Bronzeplastiken und macht sie zu den Gewinnern der Revolution und der neu entstandenen Demokratie. US-Präsident Wilson fordert die Einstellung des U-Boot-Krieges

Washington – Berlin * US-Präsident Woodrow Wilson fordert auf das deutsche Waffenstillstandsersuchen in seiner zweiten Note unter anderem die Einstellung des U-Boot-Krieges, nachdem am 11. Oktober in der Bucht von Dublin ein Passagierschiff von einem deutschen U-Boot versenkt worden ist. 450 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter 135 Frauen und Kinder.

Ludendorff will den Kampf bis zum letzten Mann

Spa – Berlin * Generalquartiermeister Ernst Ludendorff, der am 29. September einen Waffenstillstand binnen 24 Stunden gefordert hatte, plädiert nach dem Schreiben des US-Präsidenten Woodrow Wilson jetzt dafür, das deutsche Volk soll doch „um seine Ehre nicht nur in Worten, sondern tatsächlich bis zum letzten Mann kämpfen und sich damit die Möglichkeit des Wiedererstehens sichern“.

Kaum hat die neue parlamentarische Regierung die Verantwortung übernommen, spielt Ludendorff den entschlossenen Feldherrn, der sich gegen eine Politik wehrt, die ihn zur Beendigung des Kampfes zwingen will. Wieder ein Baustein zur Dolchstoßlegende.

Faulhaber 21.2.19: Ängstlicher Ohrenzeuge des Mordes an Kurt Eisner: http://raete-muenchen.de/faulhaber-21-2-ohrenzeuge-des-mordes

Kurt Eisner und die deutsche Kriegsschuld

http://raete-muenchen.de/kurt-eisner-und-die-deutsche-kriegsschuld

Wir nennen sie Postfaschismus, die Zeit, die uns heute in diversen Alten und nachplappernden Anzugträgern und Glatzen noch einmal entgegen-rülpst: Dolchstoß-Legende in den Schulbüchern bis heute, das arme angegriffene Deutschland und die bösen Versailler Verträge: Alles Lüge!

Die Propaganda-Lüge der Dolchstoß-Legende hatte, verbreitet über Kardinal Faulhaber und in der Burschenschaft Rhaetia, in der Thule-Gesellschaft und deren Vorträgen und allen Münchner Zeitungen, nicht nur dem Münchner Beobachter, (erst später „Völkischer Beobachter“) ihre Wirkung bis heute in die AfD und zu den Reichsbürgern, Anton Arco mit dem „Bolschewisten-Vorwurf“ zum Mörder gemacht:

Der Anti-Bolschewisten-Fonds der deutschen Arbeitgeber und Industrie von 500 Millionen Reichsmark hatte auch hier seine Wirkung, wie auch in der Finanzierung der Waffen und des hohen Sold für die arbeitslosen Soldaten, in die Freikorps zu kommen und die Stadt München und Bayern „zu befreien“. Kurt Eisner

bekam erst 1961 von der deutschen Geschichtswissenschaft die erste Bestätigung, aber auch einen immer noch schwelenden Streit mit den Nazis: Der deutsche Kriegs-Schuld-Anteil am 1. Weltkriegs wird von Konservativen immer noch bestritten: https://de.wikipedia.org/wiki/Fischer-Kontroverse

Kurt Eisner war von einem adeligen katholischen Burschenschafter und Leutnant, Student der „Rechte“ nieder geschossen worden, weil er nicht nur den Adel und den damals damit verbundenen Offiziersrang abgeschafft hatte, sondern auch, weil er die damals schon bekannten Kriegsstrategien der kaiserlichen Reichsregierung aufgrund der Akten und Briefe veröffentlicht hatte.

In dem Wikipedia-Artikel kommt Kurt Eisner noch gar nicht vor:

Seine Veröffentlichungen waren am Ende der Räterepublik als Landesverrat angesehen, sein Sekretär Felix Fechenbach war nach 1920 der Beihilfe dazu angeklagt worden. Eisner wollte international darlegen, dass Bayern nicht führend am Kriegsbeginn beteiligt gewesen war, was wohl nicht zu halten ist.

Kurt Eisner hatte schon zu beginn der Revolution eine Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg und Österreich gesucht, um der militaristischen preußischen Übermacht auch schon in den Friedensverhandlungen ein südliches Gegengewicht aufzubauen, war aber von den anderen Ländern nicht wirklich ernst genommen worden. Reichskanzler Bethmann-Hollweg

https://de.wikipedia.org/wiki/Theobald_von_Bethmann_Hollweg

„Wilhelm II. war nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers vorgeprescht und hatte dem Botschafter der Donaumonarchie in Berlin, Szögyeny, den berühmten Blankoscheck ausgestellt, was allerdings keine große Neuerung darstellte: Die „Nibelungentreue“ im Zweibund herrschte seit dem Kanzler Hohenlohe vor.

Bethmann Hollweg schrieb später in seinen Betrachtungen, „diese Ansichten des Kaisers deckten sich“ mit seinen Anschauungen. Am 6. Juli 1914 versicherte der Reichskanzler der österreichischen Botschaft erneut, dass das Deutsche Reich treu an der Seite seines Verbündeten kämpfen werde.[56] Das aggressive Vorgehen Österreich-Ungarns gegen Serbien erfolgte also auch mit der Rückendeckung Bethmann Hollwegs.

Zugleich ließ er den Staatssekretär Gottlieb von Jagow an Lichnowsky, den deutschen Botschafter in London, telegrafieren, dass gegenüber der britischen Regierung „alles vermieden werden muss, was den Anschein erwecken könnte, als hetzten wir die Österreicher zum Kriege“.

Aus dem Gedanken heraus, den Konflikt lokalisieren zu können, befürwortete Bethmann Hollweg die Fortsetzung der kaiserlichen Nordlandkreuzfahrt. Der Kanzler ließ der österreichischen Politik freie Hand, doch nicht kritiklos, wie der französische Botschafter in Wien, Dumaine, bezeugte.[57]

Bethmann Hollweg äußerte intern, wie sein Vertrauter Kurt Riezler notierte, früh die Befürchtung, dass, wenn Österreich zu expansionistische Töne anschlagen werde, der Konflikt nicht mehr auf dem Balkan zu halten sei und „zum Weltkriege führen könne“.[58]

Doch selbst als das Auswärtige Amt im Juli 1914 endgültig wusste, dass das Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien unannehmbar formuliert werden sollte, ließ der Kanzler die Österreicher gewähren. Auf Nachfrage bekundete die Reichskanzlei: „Zur Formulierung der Forderungen an Serbien können wir keine Stellung nehmen, da dies Österreichs Sache ist.“

Im Glauben an die Neutralität Großbritanniens telegrafierte er an das Londoner Foreign Office: „Da Österreich bei seinem Vorgehen vitale Interessen wahrt, ist eine Ingerenz des verbündeten Deutschland ausgeschlossen. […] Nur gezwungen werden wir zum Schwerte greifen.“[59] https://de.wikipedia.org/wiki/Theobald_von_Bethmann_Hollweg

Steckbriefe: Kurt Eisner und Genossinnen

http://raete-muenchen.de/steckbriefe-kurt-eisner-und-genossinnen

Steckbriefe sind hier eher Polizei-Protokolle und Bilder der „Rädelsführenden“ der RüstungsarbeiterInnen-Streiks in München im Januar 1918, während auch in Berlin, Nürnberg und Wien viele Tausende streikten, für Frieden und Verhandlungen. Am Ende stehen Verhaftungen …

Während im Landtag am 7. Mai der 150. Geburtstag von Kurt Eisner gefeiert wird (nur von der SPD, die Reaktion hält ihn immer noch für einen anti-monarchistischen Teufel) und eine Ausstellung im Stadtmuseum München an seine literarische Arbeit erinnert, sammelt ein Buch die Steckbriefe der Genossinnen.

Buchvorstellung der Neuerscheinung Cornelia Naumann und Günther Gerstenberg (Hg.) Steckbriefe Kurt Eisner& GenossenSteckbriefe. Gegen Eisner, Kurt u. Genossen wegen Landesverrats. Ein Lesebuch über Münchner Revolutionärinnen und Revolutionäre im Januar 1918, edition av, 24,90 Euro

Bevor sie den König davonjagten, traten sie in den Streik: Rund 8.000 Arbeiter der Rüstungsindustrie und Arbeiterinnen der Munitionswerke hatten Ende Januar 1918 die Nase voll vom Gemetzel an der Front, vom „Burgfrieden“ der SPD, von weiteren Kriegsanleihen, von leeren Versprechungen. Sie streikten für Frieden und Volksherrschaft.

Aber dafür mussten sie zunächst teuer bezahlen. Den Behörden gelang es, die führenden Köpfe des Ausstands festzunehmen, ihn damit in „ruhigere Bahnen“ zu lenken und ihn schließlich zu beenden. Das Morden an den Fronten konnte weiter gehen. Im Berliner Bundesarchiv befinden sich die Akten, die die Bespitzelung, Festnahmen und daran anschließenden Verhöre der Streikaktivistinnen und -aktivisten dokumentieren.

… und da gäbe es noch die notwendige Erinnerung an die mutige Mitstreiterin Sarah Sonja Lerch, geborene Rabinowitz, die im Gefängnis Stadelheim in der Haft erhängt aufgefunden wurde.

aus der Geschichte lernen?

Wenn die Linke heute lernen würde, was ihre solidarisch verbundenen Bewegungen sind, statt auf personelle Karrieren und Standpunkte zu setzen - aber das haben auch die Grünen vergessen, seit sie Krieg führen mussten …

Wir haben Jahrzehnte gelernt, dass schon das Ansprechen von Kapitalismus und Konkurrenz- Wirtschaft als Neid und Staats- Sozialismus abgetan wird. Auch in den „Öffentlich-rechtlichen“ Medien und Schulen: Als „Kultur des Schweigens“ bei Paulo Freire benannt! „Die Methode von Paulo Freire ist kein Lehrvorschlag, sondern ein politisches Manifest von Anfang bis Ende“.

kurt_eisner.txt · Zuletzt geändert: 2021/09/28 20:36 von chromedaa