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Fritz Letsch, Theaterpädagoge.

So stelle ich mich jetzt oft vor, wenn ich in Schulklassen oder mit Geflüchteten in die Sexualpädagogik einsteige, und erkläre ihnen noch knapp, was ich da über viele Jahre machte:

Szenen und Stücke entwickeln, Leute auf die Bühne bringen, den Ausdruck verbessern, die Regie führen und am Schluss auch noch das Gespräch und Veränderungen mit dem Publikum organisieren.

Dann kommen nun ein paar Jahrzehnte Fortbildungen und Arbeit in der Psychotherapie, in politischen Kampagnen und geschichtlichen Projekten, in Aus- und Fortbildungen der Altenpflege, im Teambuilding und in der gemeinnützigen und genossenschaftlichen Unternehmens-Entwicklung.

Themen wie Unrecht in der Psychiatrie, die selbstgerechte Juristerei, der Rückschritt der Beteiligung in der Erwachsenenbildung wie in den Schulen durch Medien, die ansteigende Angst vor Theater …

Sexualpädagogik ist nicht umsonst immer noch eines der heißesten Tabus unserer Gesellschaft, und in den Fortbildungen eine kritische Sache: das wachsende Kinderwunsch-Geschäft und die abnehmende Fruchtbarkeit durch Gesundheits- und Umweltbelastungen …

… und die weitgehende Unfähigkeit der Eltern, angemessen mit ihren Söhnen zu reden, bei den Töchtern scheint die Notwendigkeit noch größer.

Forumtheater

Forumtheater in der Art von Augusto Boal war vor Jahren schon einmal ein sehr gefragter Artikel in der innovativen Bildungsarbeit, zwischen Fortbildungen der Jugendarbeit, Evangelischen Akademien, in der politischen Bildung, sogar geprüft und anerkannt durch die Bundeszentrale für politische Bildung,

Fortbildungen für Lehrer, Pfarrer, mit GemeindepädagogInnen und „Krankenhauspersonal“ in der Friedensarbeit im Ost-Untergrund und im ASA-Programm der Carl-Duisberg-Gesellschaft zur Vorbereitung von Auslands-Studien-Aufenthalten.

In der Supervision von besonders kreativen Teams

wie psychologischen Beratenden, sozialen Kontaktstellen, fachlichen PädagogEn … wenn es um intensive Zusammenarbeit, aber auch um die eigenen Arbeitsbedingungen und das politische Umfeld geht: Wie vertreten wir uns und die Themen unserer Klientels nach draußen?

Neben Zukunftswerkstätten in der Tradition von Robert Jungk

Auch in Zukunftswerkstätten können die Methoden der Theaterarbeit manche Themen anschaulich machen, wenn die Gruppe mit den Methoden schnell vertraut gemacht worden ist. Da reichen oft schon kleine Erlebnisbilder und Szenen der zukünftigen Auseinandersetzung.

Die Anfänge in den achtziger Jahren: Friedensbewegungen

In den Trainingskollektiven für Gewaltfreie Aktion, in neuen Projekten der politischen Bildung in Ost und West war die Verbreitung groß, waren Kurzfassungen in den Handbüchern zwar oft zu mager, aber viele fanden dabei den Einstieg in andere Kommunikationsformen.

Gleichzeitig gab es die neuen Theaterfestivals

in München, Berlin und weiteren Städten: Damals hatten wir noch Zwei-Wochen-Workshops mit Augusto Boal, nach Einstiegs-Wochenenden, und in Beteiligung aller Theater-Berufe und -Sparten. Sofortige Aktionen und ihre Nachbesprechung begleiteten zum Beispiel den Reagan-Besuch in Berlin.

Bewusstseinsbildung würde heute Kritische Theorie heißen

Der Europäische Arbeitskreis Bewusstseinsbildung wurde zur Paulo-Freire-Gesellschaft, die Zeitschrift für befreiende Pädagogik brachte die Ideen und Praxis der gemeinsamen Lern-Strategien für ein welt-bewusstes Leben, arbeitete zur Lern-Autonomie, im Gegensatz zum Stoff-Plan der Schulen. Kritische Theorie

Die Arbeit am Tabu – meine Faustregel entstand aus der Praxis:

Der Daumen steht bei den Handlinien für das Ich, in meiner Faustregel für die Sexualität. Keine Lernorte, keine angenehme Sprache, aber gezielte Vermarktung und massive Personenzerstörung durch Anreizung, Moral und Schuldgefühle sind die deutlichsten Anzeichen.

Der Zeigefinger wird für das Du benutzt, in meiner Faustregel für das Thema Geld, das unsere Beziehungen bestimmt. Von den Sprüchen „Geld verdirbt die Freundschaft“ und „Über Geld spricht man nicht, Geld hat man“ bis zur Frage nach Reichtums- und Klassenunterschieden und das geistige Verbot des Wortes ‚Kapitalismus‘ ist es von Geheimniskrämerei umgeben und könnte unsere Beziehungen sehr gut offenlegen. Der Mittelfinger ist dem Thema Religion oder auch dem Sinn des Lebens zugeordnet. Entweder das Fertigpack einer Konfession, oder die Do-it-yourself-Version von Atheismus und Freidenkern; Taufe, Initiation, Hochzeitsritus und Begräbnis inbegriffen oder nicht… ein offenes Gespräch jenseits der Vokabeln der Pfarrer ist kaum möglich.

Der Ringfinger ist den längerfristigen Beziehungen zugeordnet, in meiner Arbeit den Themen Krankheit, Tod, Abschied, also den Störungen dabei. Vor allem die Trauer, die Zulässigkeit tiefer Gefühle und ihr gesellschaftlicher Ausdruck sind so behindert, dass Beerdigungen und Abschiede sehr oft in peinlichen Formalismen stecken bleiben.

Der kleine Finger übernimmt die restlichen Themen von abweichendem Verhalten: Anders sein. Lesbisch oder schwul, behindert oder farbig, andersgläubig oder für eine Gesellschaft unpassend, alle Außenseiter wie auch Berühmtheiten, inbegriffen. Die Angst vor dem Fremden bleibt sprachlos und aggressiv, wird in Witzen und Unterstellungen oberflächlich abgehandelt.

Gemeinsame Eigenschaften aller Tabus:

Es fehlt die Sprache, sie wirklich treffend anzupacken, gleichzeitig liegt eine Geschwätzigkeit der Ablenkung darüber. Paulo Freire verwendet die Begriffe ‚Mythos‘ und ‚Kultur des Schweigens‘: Wir haben immer gute Gründe, nicht darüber zu reden. Wenn wir es trotzdem wollen, geht es nicht: Wir kommen vom Thema ab, werden unruhig, müssen rauchen… Wenn wir plötzlich müde werden, gähnen, Kopfschmerzen bekommen – und auf einmal gar nicht mehr wissen, was wir gerade wollten: dann haben sie gut gearbeitet, unsere Polizisten im Kopf.

Es ist gut, viel über sie zu wissen, aber es ist so unsinnig wie bewaffneter Kampf gegen Panzerwagen, wie Militär gegen Terrorismus, mit Gewalt gegen sie losziehen zu wollen. Weil sie von unserer eigenen Angst genährt sind, können wir sie nur sanft und nach ihren eigenen Prinzipien, mit gewaltfreier Methodik und Intelligenz, überlisten.

Internationale Konferenzen und Fortbildungen entwickelten unsere Methoden

1994 war Paulo Freire in München, forderte uns auf, unser schlechtes Gewissen zu lassen: Ein Hindernis für De-Kolonialismus. Auch in der Arbeit mit Geflüchteten auf Privic in der kroatischen Adria, ein Inseldorf begegnen wir „feindlichen“ bosnischen Jugendlichen und Frauen in der Unterkunft

1995 Fortbildung und Konferenz mit Augusto Boal in Gauting und München, und später mein Workshop im Museum der Revolution auf Cuba

1996 Zweite geplante Reise von Paulo Freire durch Deutschland, doch die geplante Begegnung mit Jürgen Habermas musste aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden

1997 Internationale Treffen mit Augusto Boal in Toronto (Ripple Effect, mit KollegInnen aus aller Welt, herausragend Indien und Japan) mit etlichen Workshops und Aufführung des „Regenbogen der Wünsche“ und im Herbst kollegiale Workshops und Fortbildung mit Augusto Boal in München, Besuch beim Kulturreferenten

1999 mit Augusto Boal in München Europäische Konferenz zum Legislativen Theater: Symbolism in Munich und die praktische Umsetzung von fünf sehr treffenden Themen in Szenen im Rathaus

2000: Curingas, die Mitarbeitenden von Augusto Boal in Rio, auf der Reise durch die Forum-Szene in Deutschland: Szenen verändern

Kopftuch-Szenen im Bayrischen Landtag, Tübingen, Lingen, Berlin, Bielefeld …

2004 in Linz: Wieder wieder einmal in der Arbeiterkammer …

Hochschulen, Angewandte Sozialwissenschaft München und Regensburg, Alice Salomon-Hochule Berlin, Burg Giebichenstein Halle, Hochschule für Kunsttherapie Ottersberg, Kunstakademie München …

Volkstheater-Elemente, Bauerntheater, Geschichtsarbeit, Altenpflege, Seniorentheater: Zwei Modelle, Die Räuber von Menzing

Psychotherapie: Forumtheater und Gestalt

Demokratie? Räte-Gedanken …

internationale Projekte

Sind manchmal ausführlicher, manchmal gar nicht dokumentiert: https://fritz-letsch.jimdofree.com und http://fritz-letsch.eineweltnetz.org

Bewusstseinsbildung statt Stoff-Vermittlung

Die Sehnsucht nach wirklicher gemeinschaftlicher Selbstbestimmung

Legislatives Theater

Zukünftige Gesetze und Räte erspielen

Das Forumtheater als zentrale Methode im Theater der Unterdrückten von Augusto Boal bezieht sich auf die Pädagogik der Unterdrückten von Paulo Freire, weitergeführt zur Pädagogik der Befreiung und zur Pädagogik der Hoffnung und der Pädagogik der Autonomie.

Aus dem Forumtheater wurde im gemeinschaftlichen Forschen und Lernen auch das Bilder- und das Zeitungstheater entwickelt, das Unsichtbare Theater entstand unter den Situationen der Diktatur und Unterdrückung, das Legislative Theater in den Situationen der Befreiung und der parlamentarischen Macht-Kontrolle.

Mit einer Ästhetik der Unterdrückten schloss Augusto Boal kurz vor dem 2. Mai 2009 sein Lebenswerk ab, auf den Tag 12 Jahre nach Paulo Freire, dessen Gedächtnis wir 1997 in Toronto beim internationalen Festival des Theater der Unterdrückten begangen hatten.

Forschendes Feld und Forumtheater in den Wissenschaften

Alphabetisierung, wie sie Paulo Freire später für den Weltkirchenrat in den französisch-sprachigen Ländern Afrikas verbreitete, entstand als Grund-Idee in einer konkreten Situation in Brasilien: Eine gemäßigte Regierung zwischen den Militär-Diktaturen hatte in den 60er Jahren vor Wahlen angekündigt, dass nur Leute, die Lesen und Schreiben können, auch zur Stimmen-Abgabe zugelassen werden.

Im Nu hatten die Studierenden mit Paulo Freire einen Plan: Wenn sie in den nächsten Semester-Ferien in ihre Heimatdörfer zurückkehren, führen sie alle dort einen schnellen Grundkurs für alle Bewohnenden ihres Dorfes durch:

Lesen und schreiben der wichtigsten Wörter, der generativen Themen der Menschen, ist innerhalb ein paar Tagen möglich: Die portugiesisch-brasilianische Sprache baut auf wenigen wiederkehrenden und variierten Silben auf, die Schlüsselthemen der MitbürgerInnen zwischen Arbeit, Wasserversorgung und aktuellen Sorgen waren schnell in Worten gesammelt und ausgetauscht, für die Wahlen erschlossen. Lernen im Dialog

Die Worte bringen uns dann – wie im Theater bei Augusto Boal die Szenen – in konstruktive Auseinandersetzungen: Bestätigungen und Vertiefungen, neue Fragen und Widersprüche der Interessen. Das Bankiers-System in der Schule

glaubt immer noch an eine weiter zu gebende Wissensfülle, wie sie in unseren Schulbüchern steht, statt irgendwann wirklich zu akzeptieren, dass das eigene Forschen Lernen und auseinander setzen auch bei Kindern tatsächlich Fähigkeiten entwickelt und sichert.

Wie ein Bankier macht die Lehrkraft eine Einlage in das Gehirn der Schüler, und erwartet in der Abfrage eine korrekte Wiedergabe, keine kreative Veränderung oder konstruktive Verarbeitung. Das Bulimie-Lernen ist auch an den Hochschulen durchgesetzt worden, durch die „Bologna-Reform“ in ECS-Zertifikate verwandelt, in Multiple Choice wie die Führerscheinprüfung auf „Richtigkeit“ reduziert.

Nürnberger Trichter war der alte Begriff, den die neuen selbstsorganisierten Lerngruppen des Wandervogel schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts in ihrer europäischen Bewegung als alten Denkfehler der Lehrer und Schulen entlarvten und mit einer Bewegung zu neuen Medien und eigenen selbstorganisierten Arbeits-Lagern entwickelten (ja, erst die Nazis pervertierten den neuen Ansatz!)

Adolf Reichwein entwickelte die Zeitleiste und den Schul-Film, er kam aus dem Wandervogel und beschäftigte sich mit den Formen der Reformpädagogik, am Ende sollte er in einer Regierung nach Hitler zum Kultusminister werden, was ihm den Tod durch Hinrichtung 1944 brachte.

Deutschland war in jenen Zeiten führend in der Reformpädagogik gewesen, und vor allem jüdische Seminar-Schulen hatten neue Formen des eigenständigen Lernens entwickelt, bevor sie zu fliehen hatten: Die meisten hatten frühzeitig die Bedrohung erkannt, in anderen Ländern ihr Überleben gesichert.

Bewusstseinbildung

Hilf, Schwester hilf

Paare stehen eingehängt, nur eines „spielt fangen“, bis sich die / der Verfolgte bei einem anderen Paar einhängt: Die / der nun Dritte am anderen Ende wird nun FängerIn und stürzt sich auf die / den bisherigen Fangenden. Falls gefangen wird, wechseln ebenfalls sofort die Rollen… Statuen bauen

Generative Themen erfassen

*1954 rel päd grad und mal gelernter Schauspieler, über die Theaterpädagogik, die es vorher in der Arbeitsagentur noch gar nicht gab, aber dann auch in der Künstlersozialkasse seit etwa 1982 Als Gestalt-Coach und Supervisor lernte ich schon in der Ausbildung, dass ich „ein mächtiges Werkzeug“ (bayr. hoher Sozial-Beamter) hätte, aber die Mächtigen wissen es zu meiden.

http://befreiungsbewegung.fairmuenchen.de

und wer auf Facebook ist: Forumtheater – Home | Facebook https://www.facebook.com/Forumtheater-193468740718349

Forum Queeres Archiv München

Fritz Letsch, *1954, war bis 1981 kath. Gemeindepädagoge, dann als freiberuflicher Theaterpädagoge vor allem mit dem Theater der Unterdrückten quer durch Europa in Bewegungen und Akademien wie Hochschulen unterwegs, baute mit Kolleg*innen die grün-nahe Regenbogenstiftung Bayern und nach der Wende die Bildungswerkstatt Brandenburg, brandung, auf. Seit 2005 Gestalttherapeut und Job-Coach, Sexualpädagoge.

Von der Gruppe Rat und Tat 1977 im VSG eV, später Rosa Telefon, über sub und Aidshilfe zum Bisexuellen Stammtisch München; im Forum von der Gründung und der Moderation der ersten Erzählcafes zum Aufbau von Büro und Kommunikation, im Vorstand von Community eV und in der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung. Mehr in „Es gibt noch viel zu tun …“ und auf http://fritz-letsch.de

Forum Queeres Archiv München http://forummuenchen.org

Zukunftswerkstätten und Jahrestagungen

Die Jahrestagungen der Moderierenden von Zukunftswerkstätten werden jeweils von einem Einladungs-Team im deutsch-sprachigen Raum vorbereitet und bringen die Erfahrungen von meist 40 bis 60 Kolleg*innen zu Fortbildungsthemen und ihren Arbeitsthemen zusammen. Früher im Januar/ Februar, seit etlichen Jahren um den 1. Mai

ausführlich dokumentiert auf http://www.zwnetz.de/

Partizipative Lernmethoden im Theater der Unterdrückten, in Theaterpädagogik und Gestalt-Moderation. Jahrgang 1954, seit Anfang der 80er Jahre in Trainings­kollektivs für Gewaltfreie Aktion und dann in der Initiative für politische Bildung von Unten an der Entwicklung alternativer Politik und neuer Methoden in der politi­schen Bildung, Aufbau und Begleitung zahlreicher Initiativen und Projekte, Lehr­aufträge an Fachhochschulen, Supervisionen, seit fünf Jahren in Auseinander­set­zung mit Gestalt-Therapie und in Open-Space-Projekten. Engagiert als Theaterpädagoge, Zukunftswerkstatt- und Radio-Moderator, Gestalt-Supervisor. Interessiert an Beratungen zur Transition-Town.

gestalt und zukunftswerkstätten

fritz_letsch_theaterpaedagoge.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/12 00:00 von fritz