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gemeindepaedagogik

Paulo Freire und die befreiende Pädagogik: gestern, heute und morgen

(Anfang eines früheren Artikels https://theater-methoden.blogspot.com/2021/06/paulo-freire-und-die-befreiende.html)

Revolutionen finden in den Köpfen statt, und ich glaube, nur wenige Menschen unserer Tage und Jahrzehnte haben so viele Köpfe verändert, wie Paulo Freire in seiner Ausstrahlung und Wirkung über viele Menschen, die wiederum alphabetisierten, Bewusstsein bildeten und andere fortbildeten.

Seine Botschaften waren ja auch meist so einfach, einleuchtend und selbstverständlich, dass uns manches Zitat wie aus dem Kalender vorkommt, wie mancher altbekannter guter Aphorismus, immer wieder neuen Menschen zugeschrieben, wie zB. „Der Weg kommt beim gehen“. Volkskunst eben, im Austausch.

Trotzdem ist Paulo Freire den meisten heutigen Pädagogen in Bayern noch unbekannt geblieben, weil die alte Kommunismus-Angst noch immer mit Totschlag-Argumenten herrscht, zuletzt auch wieder vom Papst wiederholt, als ewiggestrige Abwehr der Theologie der Befreiung, die im gleichen Kontext wie diese Pädagogik entstanden ist.

Gehen wir ein paar Jahrzehnte zurück:

Als Student der katholischen Religions- und Gemeindepädagogik habe ich etwa 1973 in einem der damaligen politisierenden Kreise zur Einewelt-Arbeit die ersten hektografierten Blätter in die Finger bekommen, die wir begeistert im Zirkel diskutierten: Der Weg entsteht beim Gehen

Das Bankierssystem des Lernens, die Einlagen der Lehrkräfte im Kopf der Schüler, die Wiederholung meines alten Wissens als scheinbaren Zins: Auch unsere Dozenten hatten gerade den anthropozentrischen Ansatz entwickelt, nicht mehr den Kanon der Katechismusfragen und der Wunder Jesu auswendig lernen zu lassen, sondern sich erst selbst zu fragen, was das jeweils im Leben unserer Schüler gerade zu sagen hat.

Paulo Freire ging weiter, wie auch wir damals: Die ersten Transparente bei der Fronleichnams-Prozession in München waren ein Skandal, der jugendliche Aufbruch mit dem Motto „Wir sind Kirche“ war schon kaum für eher aufgeschlossene Personen, wie damals auch Kardinal Döpfner, wirklich vermittelbar.

Eine Figur der Werbung für kirchliche Berufe dieser Zeit: Dom Helder Camara, der mutige Erzbischof aus dem armen Nordosten Brasiliens, mutig gegen Großgrundbesitzer und Militärdiktatur, die „Missionare“ predigten ja schon in Altötting und erzählten von Basisgemeinden, in denen Frauen gleichberechtigt die Gemeinschaften feierten …

Erst ein Anfang ...

und wie sie mir mit Dankbarkeit in den Sinn kommen: Im ersten Studium der Gemeindepädagogik, Trudl Wimmer, Helga Modesto, Franz Burgey, Margot Saller und Valentin Hertle, Martin Wolf, … und Herr Wiesen in der Bibliothek … und all die lang verbundenen StudienkollegInnen,

Längst sind Gemeindepädagogik und Ausbildung nach Eichstätt verlagert, Teil der katholischen Universität …

gemeindepaedagogik.txt · Zuletzt geändert: 2022/09/28 22:28 von lenni