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Bankiers-Erziehung zu Wiedergabe und Konkurrenz

Paulo Freire hatte das Modell des „Nürnberger Trichter“ dafür genommen, unseren üblichen Schul-Vorgang zu beschreiben:

„Die Lehrkraft macht eine Einlage in den Kopf der Schüler, und wenn sie diese Einlage gut wieder geben können, werden sie dafür belohnt. Es geht nicht um eigenständiges Denken oder Varianten, die reine Wiedergabe ist gefragt, wie bei einer Bank.“

Im Gegensatz zur Bankiers-Erziehung soll in der Bewusstseinsbildung der Rahmen des Denken sichtbar gemacht werden, um die Bezüge zu den anderen Feldern zu erkennen und eigenständiges Lernen zu ermöglichen.

Viele der Gedanken von Paulo Freire entsprechen den Ansätzen der Reformpädagogik, wie sie in manchen Projektschulen schon in den 1920er Jahren entwickelt worden waren, aber im „Dritten Reich“ durch Gleichschaltung und Verfolgung oder Vertreibung der jüdischen Internate verloren gingen.

Gemeinschaftlich Forschen bei Paulo Freire

Freire stellt gerne Thesen auf, deren Ausführung und Überprüfung er vorschlägt, ohne die Antworten fest zu legen: Wie schon in der Entwicklung der Alphabetierungs-Methoden, bezieht er die Studierenden ein und versteht sich als Mit-Lernender, der gelegentlich das Feld erweitert oder kritische Fragestellungen einbringt.

Gemeinschaftliches Forschen braucht keine externen Bewertungen: Die Kriterien werden von den Beteiligten festgelegt.

Gemeinschaftlich Forschen mit Theater-Methoden

Das Forumtheater beginnt als Forschungsarbeit in der Gruppe:

  • Welche Themen der Unterdrückung sind uns wichtig, aus Ärger, Angst, Solidarität, Zorn, …
  • Welche Themen sind uns gemeinschaftlich wichtig, dass wir dazu Szenen machen? Generative Themen der politischen Veränderung entstehen.
  • Wer gestaltet eine erlebte Situation von Unterdrückung und gibt sie der Gruppe als Grundlage
  • Die Gruppe bereichert mit eigenen Erfahrungen und übernimmt die Thematik, löst sie von der Person
  • Die Gruppe stellt im Kreis-Kontext oder einem Publikum die Szene zur Lösung und Veränderung vor
  • Das Thema ist für alle in der Resonanz des Publikums zu lösen oder zu vertiefen

Lern-Autonomie bei Paulo Freire

Die Pädagogik der Unterdrückten wird in den internationalen Bewegungen um die Kritische Theorie als die Kritische Praxis der Bewusstseinsbildung angesehen, der Anleitung zum eigenständigen Lernen und zum gemeinschaftlichen Forschen.

Wir alle hatten unter Anweisungen, Bewertungen und Konkurrenz-Situationen gelernt, und man redete uns ein, das sei sportlich und gesund. Im Austausch der Störungen und Verletzungen der Gefühle … PFG Berlin 1999

„Während die Theorie von Natur aus nichts Heilendes, Befreiendes oder Revolutionäres ist, ist sie eine unserer Hauptaufgaben als Pädagogen, um die gelebte Erfahrung des Theoretisierens mit den Prozessen der Selbstwiederherstellung und der sozialen Transformation in Verbindung zu bringen.“ Sandy Grande in Red Pedagogy https://paulo-freire-muenchen.blogspot.com/2020/12/red-pedagogy-native-american-social-and.html

darin:

  • gegenseitiger Respekt, Demut, Offenheit, Vertrauen und Zusammenarbeit;
  • eine Verpflichtung, zu lernen, die Welt kritisch zu lesen und die notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, um eine soziale Transformation herbeizuführen;
  • Wachsamkeit in Bezug auf den eigenen Prozess der Selbsttransformation und Einhaltung der Prinzipien und Ziele der Gruppe;
  • Annahme einer „Ethik der Authentizität“ als Leitprinzip;
  • Internalisierung der Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit;
  • kritisches, kreatives und hoffnungsvolles Denken erwerben;
  • Transformation des Selbst durch Transformation der sozialen Beziehungen von Lernen und Lehren;
  • Demokratie als grundlegende Lebensweise etablieren;
  • kritische Neugier entwickeln;
  • und die Solidarität und das Engagement für sich selbst und die soziale Transformation sowie das Projekt der Humanisierung zu vertiefen.
gemeinschaftlich_forschen.txt · Zuletzt geändert: 2020/12/29 01:19 von fritz