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Paulo Freire (* 19. September 1921 in Recife; † 2. Mai 1997 in São Paulo) war ein in Theorie und Praxis international einflussreicher brasilianischer Jurist, Pädagoge und weltweit rezipierter Autor.

Die Gedanken und pädagogischen Ansätze von Paulo Freire waren in den siebziger Jahren so revolutionär, dass sie viele Menschen weltweit begeisterten. Konservativen Politikern und PädagogInnen erschienen sie (manchen bis heute) zu „verdächtig“, um sie in unsere Praxis umzusetzen.

Von Alphabetisierung, „educación popular“, solidarischer Ökonomie, lokaler Politik, Bewegung arbeitender Kinder, Konzepte für viele Basisorganisationen, Bildung für nachhaltige Entwicklung, bis zu demokratischer Unternehmensführung gehen die „Auswirkungen“ der „befreienden Pädagogik“ von Paulo Freire.

Das „Theater der Unterdrückten“, die „ Partzipativen Haushalte“ (Bürgerhaushalte) sowie die Arbeit an der „Lernenden Organisation“ bezieht den Hintergrund von ihm.

Im Jahr 1994 war Paulo Freire hier bei uns in München. 1996 konnte eine weitere Deutschland-Reise leider nicht mehr stattfinden. Am 2.Mai 1997 ist er dann 75jährig in Sao Paulo (Brasilien) verstorben. Sein Denken trägt weiterhin Früchte.

1994 hatten wir ihn in München und in verschiedenen europäischen Städten zu Gast, seine Reise 1996 musste aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden, er wollte dabei gerne Habermas zum Gespräch treffen, was für eine gemeinsame Tagung spannend gewesen wäre …

Befreit euch von eurem schlechten Gewissen!

Beim großen Treffen in München stellten wir etliche Szenen als Forumtheater vor, das er als die glücklichste Umsetzung seiner Gedanken bezeichnete.

1994 waren die entwicklungspolitischen Gedanken noch nicht so sehr in der Gesellschaft verankert, der in fast allen Einrichtungen und Parteien herrschende Antikommunismus hinderte auch die Leitung der LMU, der Münchner Universität, den Gast aus Brasilien zu begrüßen, sie kamen lieber über die Bühne, als dem 35fachen Ehren-Doktor bei der Würdigung ihrer eigenen neuen Doktoren vorgestellt zu werden:

Dr. Flavia Mädche hatte an der LMU mit einer Arbeit über Freire's Befreiende Pädagogik promoviert und freute sich, ihr Vorbild an der Hochschule begrüßen zu können, aber … sie waren zu feige.

Katholisch und Kommunist, gibt es das?

Die Befreiungstheologie war schon durch die Reaktionäre wie Kardinal Ratzinger verteufelt, die wichtigsten VertreterInnen in den südamerikanischen Staaten waren mit dem Segen der Konservativen von den Militärs ermordet worden, wie in der Folgezeit auch viele Umwelt-AktivistInnen.

Eine Theologie der Befreiung war die Hoffnung der vielen Basisgemeinden, die im internationalen Austausch in der ganzen Welt entstanden waren, wo die soziale Verantwortung mit der christlichen Botschaft von der Befreiung (so nannte sich das Evangelium einmal).

Die Bezeichnung Pädagogik der Unterdrückten beschreibt diese Verbindung: Wer sich nicht unterdrückt fühlt, gehört vielleicht zur anderen Seite? Worin werden wir - von wem - unterdrückt? Ist es Unrecht, das beseitigt werden muss, oder nur unser Gefühl, das wir überprüfen sollten?

In den Zeiten des Kalten Krieges von 1945 (Hiroshima) bis zum Ende der UDSSR 1989 und in den Köpfen der Alten bis heute ist die Vorstellung von gemeinschaftlichen Lebensgedanken wie Anarchie, Kommunismus und Sozialismus sofort mit Bevormundung, Entrechtung und Militarismus verknüpft, was ja eigentlich mehr die Eigenschaften der kapitalistischen Systeme sind:

Eine Militär-Diktatur wie die von Pinochet in Chile war das Muster für eine neoliberale Marktwirtschaft, die als Hauptziel den Reichtum der Reichen hat, bei Verarmung der Bevölkerung. Die Löhne in unserem Land sind in den letzten Jahren gestiegen oder gefallen?

methodische und konzeptionelle „Haltegriffe“ zu Freires Arbeiten sind:

Bewusstseinsbildung, Volkserziehung, Bankierserziehung,

generative Themen, thematisches Universum, Dialog,

Aktion-Reflexion-bessere Aktion, Kultur des Schweigens, kulturelle Invasion

In einigen Projekten der katholischen Landjugend und der Grünen in Österreich hatten wir die Arbeit an den Mythen unserer Erziehung gearbeitet und eine große Mythentüte zusammen gesammelt,

in einer Tagung der Paulo-Freire-Gesellschaft in Potsdam ?1995? hatten wir die Ost-Adaption von Freire's Gedanken mit den westlichen Entwicklungen verglichen,

in der Berliner Tagung 1999 hatten wir die Spuren der Lern-Autonomie in unserem eigenen Lern-Erleben zu Lern-Biografien ausgetauscht und zusammengefasst.

Vor vielen Jahren begannen wir diesen Wikipedia-Eintrag

Die Inhalte der „[[Pädagogik der Unterdrückten]]“

Paulo Freire gilt heute als der bedeutendste Volkspädagoge der Gegenwart. Er setzte Alphabetisierungs-Kampagnen in den Slums und Landarbeitersiedlungen Brasiliens durch.

Mit dem von ihm entwickelten Alphabetisierungs-Konzept war es möglich, innerhalb von 40 Unterrichtsstunden lesen und schreiben zu lernen. Er wollte damit aber nicht nur erreichen, dass die Menschen rein das Lesen und Schreiben beherrschen, sondern sah den Prozess der Alphabetisierung und der Bildung als unabdingbares Mittel zur Selbstbefreiung.

Er selbst bezeichnete sich als Radikalen und forderte Radikalisierung, da diese in Zusammenhang mit kritischem Geist immer schöpferisch wirkt. Freire teilte die Gesellschaft in Unterdrücker und Unterdrückte ein, wobei die Bevölkerungsmehrheit die Seite der Unterdrückten darstellt und die wenigen Herrscher, die Eliten, die Position der Unterdrücker einnehmen.

Quelle und mehr in http://fritz-letsch.eineweltnetz.org/paulo-freire-1921-1997

paulo_freire.txt · Zuletzt geändert: 2020/01/09 23:26 von lenni