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polyamor

"Die Liebe ist eine Erfindung des 18. Jahrhunderts"

meinte eine Kulturhistorikerin vor etlichen Jahren in einem Seminar, und betonte dann, dass sie die Verknüpfung der romantischen Liebe mit der Ehe meinte:

Natürlich gab es die Liebe in allen ihren Formen vorher:

  • Gilgamesch …
  • Kamasutra und Tantra
  • 1001 Nacht und alles drum rum
  • das Hohelied der Liebe
  • die Minne als Verehrung
  • … und sicher kannst du hier noch ergänzen, was dir am Herzen liegt …

aber die Verknüpfung der romantischen Liebe mit der Ehe bedeutet, dass die elterliche und verwandtschaftliche standesgemäße Vorsorge nicht mehr alleine und vordergründig als eine Sache der Familie gültig blieb.

Die Liebesdramen steigerten sich

und die Frage der Treue kam immer mehr in den Konflikt mit aktuellen Gefühlen und Tatsachen:

Die Theaterstücke der Jahrhundertwende kämpften noch mit der Zensur, die das alte heile Familienbild nicht antasten lassen wollte. Bis heute kämpfen die kirchlichen und konservativen Kreise um die Ewigkeit der Ehe, um die besonderen Ausnahmen und die religiösen Begründungen dafür, ohne allerdings die Veränderlichkeit des Lebens in der Biografie anerkennen zu wollen.

Otto Gross, der schon Anfang 1907 am Montè Verita die Freie Liebe propagierte und auch divers oder polyamor lebte, pendelte zwischen der Schwabinger Bohemè und den Berliner anarchistischen Kreisen, wo er 1920 starb.

Veränderte Liebe war bisher Unzuverlässigkeit oder Betrug

Was als oft „Seitensprung“ begann, die Untreue oder Bigamie, später auch als serielle Monogamie gelebt, als Vorbild die Filmschauspielenden der 1950er Jahre, folgend einige Politiker, selbstbewusste Frauen,

aber nur den Literaten bekannt: Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre als offene Beziehung, wie …

... nur einem gehören?

und was in anderen Kulturen als Mehrehe oder, in unserer Kulturwertung: „Vielweiberei“ bezeichnet wurde, auch als Harem oder Kommune bezeichnet, kommt näher daran:

Polyamor ist eine ehrliche und offene Vereinbarung

Bei einzelnen bisexuellen Beziehungen begann schon das serielle Modell zu kippen, und die Dreierbeziehung, von pubertären Jungs als „zwei Lesben für mich“ aus dummen „bisexuellen“ Videos geschlossen, hat viel mehr Varianten: Französische 1970er Jahre Filme wie „Pour quois pas“ und „Jules und Jim fahren Boot“ schilderten die Mischungen aus Freundschaften und Lieben, die weiter führten, aber die eifersüchtig besitzende Darstellung von Beziehung der Hollywood-Art hat sich bei uns durchgesetzt. Auch im Osten gab es bis 1992 eine junge Gegenkultur, die offener mit Beziehungsweisen umgehen konnte.

Ist es Liebe?

„Ist es was?“ „Ist es Liebe?“

Der Milchmann Tevje im jüdisch-russischen Dörfchen fragt seine Frau, nach dem sich ihre Kinder nicht mehr den alten Regeln unterwerfen wollen … und eine Liebesheirat gegen die arrangierte Hochzeit durchsetzen.

Was ist Liebe?

…ob polyamore und offene Beziehungsweisen auch in den Katalog aufgenommen werden sollten, da sie von der bisexuellen Lebensform weiter führen und bisher in der moralischen Diskriminierung der Ehe-Gläubigen und Liebes-Romantiker liegen,

Denn sie wissen nicht, was Liebe ist: Ketzerbrevier eines Altöttinger Ministranten AG SPAK Verlag

queeres_leben und sexualpädagogik

polyamor.txt · Zuletzt geändert: 2021/12/05 13:54 von chromedaa