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ret_marut

Die Saat des demokratischen und freiheitlichen Denkens, die Leute wie der Anarchist, Barrikadenkämpfer und Diskussionspartner von Karl Marx, Michail Bakunin, der Literat und Übersetzer Gustav Landauer und der Autor und Dichter Erich Mühsam und viele ihrer Freund*e gelegt und bei der Revolution verstreut haben, wirkte weiter: Bei Ret Marut und bei Oskar Maria Graf:

Zensur in der Rätezeit

nachdem die Hetze der bürgerlichen Presse den Mord an Kurt Eisner ausgelöst hatte, war eine Besetzung der Redaktionen, wie sie Eisner dem Erich Mühsam vereitelt hatte, nicht mehr drin.

Am 7. April 1919 nahm einer, der die Zensur durch seinen schlauen Umgang durch seine Zeitschrift Ziegelbrenner (die er als Maurer-Fachblatt vorgestellt haben soll) kennen gelernt hatte, Ret Marut, die Aufgabe. Später wurde er als B.Traven mit Büchern wie dem Totenschiff und dem Schatz der Sierra Madre und vielen weiteren Büchern bekannt, und wirkte an Filmen mit.

Viele Parallelen

„Auch Marut war in der (Bühnen-)Gewerkschaft aktiv und als radikal bekannt. Zunächst tingelte Marut – nach einem Engagement im bayerischen Ansbach – mit verschiedenen Theaterengagements durch die Ostprovinzen des Deutschen Reiches: Suhl / Ohrdruf in Thür., Crimmitschau in Sachsen, die Provinz Posen (Posznan) und erlangte eine Anstellung am Stadttheater Danzig.

Dort kam seine Tochter Irene Zielke zur Welt, aber die Beziehung zur Kollegin und Mutter Elfriede scheiterte. Ab spätestens 1912 erarbeitete Marut sich bereits eine bescheidene Präsenz als Schriftsteller, neben seinen Verpflichtungen, nun am Schauspielhaus Düsseldorf. Ab 1915 sehen wir ihn als Autor in München und mitten im Krieg, ab 1917 als Herausgeber der frechen anarchistischen Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“.

„Es gibt Hinweise, dass Marut und Landauer es waren, die am 8. April (1919) den Plan zur Sozialisierung der bürgerlichen Presse verabschiedet haben.“ Wilfried Steiner S. 42

… „Absolut sicher ist jedenfalls, dass eben dieser Ret Marut die erste Manifestation des späteren B. TRAVEN war, des weltberühmten Schriftstellers, der ab 1925 Star-Autor der 1924 gegründeten, gewerkschaftseigenen Büchergilde Gutenberg wurde. Erich Mühsam hatte eine Postkarte in den Knast bekommen, die er wohl nicht ganz verstand, weil er später schrieb: „Wo ist der Ziegelbrenner“?

„Nach fünf Jahren Haft im Gefängnis Niederschönenfeld wurde Mühsam amnestiert. Kurz vor seiner Entlassung erreichte ihn eine mysteriöse Postkarte. Ihr Wortlaut: In wenigen Stunden besteige ich ein Schiff und habe damit aufgehört, für Europa zu existieren. R. Marut“ Wilfried Steiner S. 53


“… Folgerichtig Beteiligter der Münchener Räterepublik 1918/19 u.a. als Sozialisierungsbeauftragter der Presse, gelang ihm am 2. Mai 1919 knapp die Flucht, am selben Tag als Gustav Landauer ermordet wird.

Als Route werden Wien, evtl. Budapest und Zürich angenommen, bevor er mit seiner Freundin Irene Mermet in Berlin und Köln auftauchte. Ab tauchte er ganz 1923, erst nach London und dann, 1924, nach Tampico in Mexico. Hier beginnt sein kometenhafter Aufstieg als sozial hoch engagierter Autor, der für die arbeitende Bevölkerung und die Indios schreibt.

Wahrscheinlich haben ihn neben der „Gruppe progressiver Rheinischer Künstler“ um F.W. Seiwert Anarchosyndikalist*inn*en bei Flucht und Weiterkommen unterstützt. Rudolf Rocker (Doyen der FAUD, der vor 1914 lange in London-Westend lebte) und andere in Berlin und die damals starke FAUD im Rheinland.

In seiner Zeitschrift FANAL schrieb Erich Mühsam später seinen Suchaufruf an Marut – der Freund und Genosse werde gebraucht. Keine Antwort. Aber Traven soll Rocker, der mit Mühsam seine Identität kannte, 1945 in NY-Brooklin besucht haben.

Der Anarchosyndikalist Augustin Souchy verhalf Traven in der Nazizeit zu seinem Verleger in Schweden, suchte in seinem mexikanischen Exil B.Traven in Acapulco aber vergeblich auf.

Ob Ret Marut nach 1919 jemals wieder in Thüringen war, bleibt Geheimnis – es ist aber davon auszugehen, dass er sich 1908 in seiner Zeit in Ohrdruf auch das berühmte Meininger Theater angesehen hat. „Der Ziegelbrenner“ erschien noch bis 1921 aus dem Untergrund. Kam der auch bis Meiningen? Wir wissen es nicht.“ Meint Ralf G. Landmesser, Vorsitzender der IBTG


Literatur:

  • Wilfried Steiner: Gustav Ladauer oder Die gestohlene Zeit, Essay bei Limbus Preziosen http://limbusverlag.at

Überarbeitet:

http://raete-muenchen.de/nach-der-revolution-ret-marut-und-oskar-maria-graf

Ret Marut und Erich Mühsam als wichtigste Freunde … von Hedwig Lachmann und Gustav Landauer

ret_marut.txt · Zuletzt geändert: 2022/09/28 21:19 von lenni