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rolf_schwendter

Lieder zur Kindertrommel

Kochbuch für Wohngemeinschaften

Für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Rosa Luxemburg im Botanischen Garten

  • Viele Genossen hör’ ich reden vom Proletariat,
  • seh’ ich Papers formulieren und Mao-Tse-tung schrein,
  • seh’ ich wütend über den, der hat und der nicht hat,
  • seh’ ich nachts fahl beim Bier und niemals allein.
  • .
  • Und währenddessen werden ihre Herzen zu Stein,
  • währenddessen wird ihr Gesicht zu Stein,
  • da fällt mir Rosa Luxemburg ein.

Refrain:

  • Rosa Luxemburg im Botanischen Garten
  • lauscht mit Karel Liebknecht der Nachtigall,
  • kann die Blüte des Faulbaums kaum erwarten,
  • hört auf des Wendehalses klagenden Schall:

Gligligligligliglick, gligligligligliglick.

  • Rosa Luxemburg im Botanischen Garten
  • soll euch ein ermutigendes Beispiel sein,
  • sonst kriegt vor der Zeit euer Bewusstsein die Scharten,
  • schließt ihr nicht Natur und Kunst und Lehen mit ein.

April 1917:

  • in Russland hat unlängst begonnen das große Gefecht:
  • Rosa hat auch andre Erinnerungen.
  • Der blühende Tiergarten, im Südende Maiprachtwonnen,
  • Rosa kocht grüne Bohnen ä la Parisienne.
  • Ein Blumenatlas im Kerker und kein Herz zu Stein,
  • Knospen und Schneegraupeln und kein Gesicht zu Stein:
  • so fällt mir Rosa Luxemburg ein.
  • Im Botanischen Garten geht Rosa mit Karl
  • auch vorbei unter Silberpappeln und manch’ anderem Baum,
  • die Blaumeise grüßt sie leise und der Ligusterstrauch.
  • Die jungen Blätter, schreibt sie, stehen voller weißer Flaum.
  • Samenflaum füllt die Luft wie Schnee, kein Herz zu Stein.
  • Hundert Krähen zum Schlafbaum: kein Gesicht zu Stein,
  • da fällt mir Rosa Luxemburg ein.
  • „Ich habe“, sagt Rosa, „manchmal das Gefühl,
  • ich hin kein richtiger Mensch, sondern auch irgendein Vogel oder ein anderes Tier in Menschengestalt;
  • innerlich fühl’ ich mich im Feld unter Hummeln im Gras
  • viel mehr in meiner Heimat als auf einem Parteitag.
Ihnen Sonja, kann ich ja  wohl das alles sagen;
*Sie wissen, ich werde trotzdem auf dem Posten sterben;
*in einer Straßenschlacht oder im Zuchthaus.
Aber mein innerstes Ich gehört mehr meinen Kohlmeisen als den Genossen. 
*Unter den gelben Sternen der Zierjohannisbeere allemal,
*unter der Zierkirsche rötlichem Laub liest Rosa Hölderlin,*
*liest Goethe und Dehmel, hört Hugo Wolf,
*der Himmel ist aus Opal,
*und Lenin steigt Berge und Mao schwimmt ruhig im großen Fluss dahin.
  • Und währenddessen werden unsere Herzen zu Stein.
  • Und währenddessen wird unser Gesicht zu Stein, da fällt mir Rosa Luxemburg ein …

Im Umkreis von Robert Jungk und den Moderierenden von Zukunftswerkstätten trafen wir uns am Meisten, bei den Entscheidungskollektiven der AG SPAK und bei der Sozialpolitischen Gesellschaft, und die legendären Sommerseminare des Theoriearbeitskreis Alternative Ökonomie war ein Zentralpunkt … meistens etwa 12 Tage in einem selbstverwalteten Tagungshaus, von denen es in den 80er Jahren dann etliche gab.

Und natürlich nicht nur zur Sommerzeit: Thematische Tagungen gab es manchmal auch vierteljährlich,

dazu kamen in Wien gelegentlich Veranstaltungen mit der Grazer Autorenvereinigung,

https://www.uni-kassel.de/upress/online/frei/978-3-89958-075-4.volltext.frei.pdf

https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/47351/ssoar-widersprueche-2013-129-pabst-Notate_der_Erinnerungen_Rolf_Schwendter.pdf

https://literaturgefluester.wordpress.com/2013/07/23/nachruf-auf-rolf-schwendter/

rolf_schwendter.txt · Zuletzt geändert: 2020/01/20 15:49 von fritzletsch