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175

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§175 und seine Auswirkungen bis heute

Vor 150 Jahren hat uns König Ludwig II. mit dem Verkauf Bayerns an das neue Kaiserreich gegen eine Menge Geld aus Bismarcks „Reptilienfonds“ für den Bau seiner Schlösser, die nach seinem Tode in die Luft gesprengt werden sollten, das preußische Kaisertum und sein Strafrecht mit den §§175 eingebrockt.

Aber in Täuschland schreiben wir unsere Geschichte immer schön, wie alle ReGierenden, machen aus Ludwig einen traurig verirrten gemordeten Märchenkönig und in München auch aus einer Siegesgöttin nach dem 1870er Krieg gegen Frankreich einen „Friedensengel“.

Ein Juristentag 1867 in München im Odeon erlebte einen Eklat:

Aus seinem eigenen Erleben kam Karl Heinrich Ulrichs zu seinen Forschungen über das Räthsel der mannmännlichen Liebe und schaffte es als Anwalt, seine Forderung erstmals öffentlich vorzustellen:

Auf dem deutschen Juristentag in München vor 500 Mitgliedern rief diese jedoch tumultartige Szenen vor, in denen seine Rede unterging. Ulrichs war stolz auf diesen Auftritt und schrieb dazu später:[6]

„Bis an meinen Tod werde ich es mir zum Ruhme an rechnen, daß ich am 29. August 1867 zu München in mir den Muth fand, Aug’ in Auge entgegenzutreten einer tausendjährigen, vieltausendköpfigen, wuthblickenden Hydra, welche mich und meine Naturgenossen wahrlich nur zu lange schon, mit Gift und Geifer bespritzt hat, viele zum Selbstmord trieb, ihr Lebensglück allen vergiftete.„ https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Heinrich_Ulrichs

Vor gut 100 Jahren

trafen sich gute Bürger wie ein Apotheker, Mediziner und Juristen, gegen den § 175 und die Erpressungen und Selbstmorde im Wissenschaftlich Humanitären Comitee München, und unterstützten die Bemühungen von Magnus Hirschfeld in Berlin und seiner Zeitschrift.

Gleichzeitig hatte ein Postkarten-Verleger August Fleischmann begonnen, neben den schönen Postkarten-Bildchen am Marienplatz auch kleine Schriften gegen den §175 zu drucken und zu verkaufen.

Die Sexual-Ordnung der Nazis, Erfolge und Versagen

Nach der Revolution 1918, zu deren Zeit schon etliche von Bisexualität und Freier Liebe schrieben und sprachen, wie Sigmund Freud und sein Schüler Otto Gross am Monte Verità und in Schwabing und Berlin, ging es in München erst mal rückwärts in die bürgerliche Reaktion und in alte Weltbilder der Kirchen, die auch im Faschismus herrschten, 1936 wurden die Ausführungen verschärft, schon der Verdacht reichte zum Konzentrationslager, im Postfaschismus der 1950er und 1960er Jahre wurde der §175 in der verschärften Form der Nazis von den Gerichten weiterhin exekutiert:

Polizeispitzel und Gefängnis, keine Entschädigung für KZ-Aufenthalt und ermordete Angehörige, regelmäßig zerstörte Berufswege und Existenzen, Erpresser und Selbstmorde führten die Alpträume der Nazi-Politik weiter, und die traurigen Ergebnisse der Mutterorden-Politik, von der zuerst noch schwul geleiteten SA bis in Lagerbordelle brachte keine Geburten-Raten, aber Blut- und Rassenwahn.

Vor 50 Jahren

war dann zuerst die studentische Befreiungsbewegung in Gang gekommen, mit dem Film von Rosa von Praunheim, mit Studentengruppen und im Untergrund: In den USA hatten 1956 Allen Ginsberg und sein Verleger von der Beat-Generation noch ein Verfahren wegen positiver Erwähnung der Homosexualität, bis durch die junge Bewegung der Hippies und Vietnamkriegs-Gegner 1962 die Strafbarkeit in Virginia abgeschafft wurde.

Der §175 hat viele Biografien beschädigt

Erpressungen und Selbstmorde

Die Angst wirkt bis heute weiter: Das Geschrei an den Schulen gibt es bis heute: „Schwule Sau!“ oft als falsch ausgedrückte Abwehr gegen körperliche Übergriffe unter pubertierenden Jungs, denen es um Rangelei ging, aber niemand fühlt von außen die Scham und Angst eines Jungen, der sich zu Kameraden mehr hingezogen fühlt als zu den reiferen Mädchen, die mit ihrer rechthaberischen Mädchenscheisse beschäftigt sind: Aussehen, Besonderheiten, Mode, Schminke, …

Angst in der Familie

Ein „coming out ist auch heute, 2021 noch ein emotionales Abenteuer für einen 22jährigen Studenten, der seiner Familie lieber schriftliche Mitteilung macht und auf twitter in zwei Tagen 15.000 vor allem positive Reaktionen bekommt, aber auch verwunderte Fragen, was daran heute noch so besonders sei:

„Hab mich gerade bei meinen Eltern und Brüdern geoutet. Hab denen einen schönen Text geschrieben (weil es für mich der einzig machbare Weg war) und mein Papa hat gleich zurückgerufen und Entwarnung gegeben und meinte es sei alles gut und ich bin weiterhin Papas Sohn.

Jetzt warte ich nur noch auf weitere Reaktionen von meiner Mutter und meinen Brüdern. Ich bin gespannt, aber jetzt guter Dinge … Meine Ma und meine Brüder haben übrigens auch super lieb und herzlich reagiert. Es ist also alles hervorragend gelaufen. Ich bin Happy!“

Angst in Beruf und Betrieb

Lehrkräfte werden zu Beginn alle zwei Jahre von ihrem Schulleiter beurteilt, und wer traut sich dabei, offen in einer Schule aufzutreten? Nur sehr aufgeschlossene und modern eingestellte Betriebe und Unternehmen sind auf den Sticks & Stones Berufsmessen und den CSD vertreten

CSD Christopher Street war keine Party, sondern ein Aufstand: Tunten aller Couleur und Handtaschen in New York gegen Kneipen-Mafia-Korruption und Polizei-Razzien-Willkür https://lustpaedagogik.blogspot.com/2021/02/175-die-geschichte-der-angste-der-liebe.html

Diskriminierung bis 1994 und bis heute

Die Diskriminierung hatte viele Ebenen: Nicht nur die moralische Herabsetzung von Beziehungen und Sexualleben, die Verheimlichung im Arbeitsleben hatte gute Gründe:

Nicht nur die „Gläserne Decke“ in vielen Betrieben, die heute noch manche Frauen kennen, galt nur nicht für Familienväter in den hierarchischen Karrieren, auch waren etliche Berufe „gesperrt“: Lehrer*in, Erzieher*in, die Psychoanalyse, die Bundeswehr, die Polizei … zum Teil bis heute.

Die Verheimlichung der Gefühle und Orientierung

bis zur Verleugnung vor sich selbst: Die äußere Entwertung wirkt auch in die Gefühlswelt, die Psyche und Verdrängung, verstört nicht selten die Wahrnehmung: Was ist Liebe, Vorliebe, Fetisch, Verboten, gesund, möglich, „Normal“, Verheimlicht?

Prout @ work und milk messe:

Harvey Milk war als Stadtrat in San Francisco von einem rechten Stadtrat erschossen worden … 1978 und das geringe Strafmaß für den Mörder, auch des Bürgermeisters, löste Unruhen aus, der Mörder tötete sich später selbst. The times of Harvey Milk https://de.wikipedia.org/wiki/The_Times_of_Harvey_Milk

Angst in der Öffentlichkeit

CSD Christopher Street war keine Party, sondern ein Aufstand: Gegen Korruption und Polizei-Willkür Altersgrenzen

IDAHOBIT*: Das Fest der Befreiung?

IDAHOBIT* ist ein bisher eher interner Versuch, die (medizinische) Befreiung zu feiern: Nach der Rede eines anonym auftretenden Arztes mit Papiertüte über dem Kopf vor der Weltgesundheitsorganisation wurde das Krankheitsbild Homosexualität gestrichen …

Das Datum wurde zur Erinnerung an den 17. Mai 1990 gewählt, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschloss, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen. Transsexualität wurde erst 2018 mit dem Erscheinen der ICD-11 von der WHO als „Krankheit“ gestrichen. https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Tag_gegen_Homo-,_Bi-,_Inter-_und_Transphobie

Der mühsame Kampf durch die Jahrzehnte

Entschädigung? um Jahrzehnte verschoben

Die BISS Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren e.V. ist ein Fachverband für die Interessen und Selbsthilfe von älteren Schwulen. Sie vernetzen schwule Seniorengruppen und Verbände der schwulen Selbsthilfe. https://schwuleundalter.de

Naturordnung im Vatikan?

Die Klerikale Arroganz, beruft sich auf eine göttliche Naturordnung, die sie kenne, betreibt aber mit veraltetem männlichem Standesdünkel und Machtmissbrauch eine Politik, die weiterhin vor allem in einigen afrikanischen Staaten zu Verfolgung von Schwulen und Lesben führt.

Medizin und unsinnige Gehirnforschung

hatten nach Gehirn-Unterschieden gesucht und fahnden nach genetischen und hormonellen Ursachen, statt die biografische und ganzheitliche Entwicklung der Menschen einfühlsam zu begleiten, die Vielfalt der Möglichkeiten anzunehmen und daraus Fortbildungen und gute Öffentlichkeitsarbeit zu machen.

Kirchen

„Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen …“ Ratzinger 2003

Während einzelne evangelische Landeskirchen auch andere Beziehungen segnen, verdammen andere solches Verhalten,

auch offene Beziehung sind seit der (moralischen Verpflichtung zur) Ehe für Alle eher das, was „wilde Ehe“ in den 1970ern für Heteros war …

http://fairmuenchen.de/spaetwirkungen-des-%c2%a7175/

http://lustpaedagogik.blogspot.com/2021/01/darkroom-fur-munchen-beginn-einer.html

Entwurf für https://queer-kunst.blogspot.com/

queeres leben

175.1620675871.txt.gz · Zuletzt geändert: 2021/05/10 21:44 von fritz