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buendische_jugend

Bündische Jugend war der Oberbegriff für die Vielfalt der Wandervogel-Bewegung vor allem nach der Gleichschaltung 1933 und dem Versuch, sie einerseits zu integrieren, andererseits ihre demokratischen und emanzipatorischen Ansätze zu bekämpfen.

Schon die frühen Wandervogel-Gruppen hatten jeweils ihr eigenes Selbstverständnis, das im Gegensatz zu den degenerierten Burschenschaften, die ja einmal demokratisch waren, aber dann nur noch rauchten, soffen und sich von „Alten Herren“ aushalten und anstellen ließen … rauchten und tranken bei ihren Treffen nicht, nahmen teilweise Mädchen auf oder regten eigene Gruppen der jungen Frauen an.

Ulmer Wandervögel in der Hitlerjugend

Hans Scholl und seine Ulmer Freunde und Geschwister hatten noch versucht, ihre Fahrten-Tradition aus dem dJ.1.11 in die Hitlerjugend Ulm zu integrieren, wofür er 1937 in Untersuchungshaft landete und ein Verfahren wegen „Bündischer Betätigung“ bekam.

Dabei kam nebenbei ein Verfahren wegen §175 und Sex mit Kameraden in Gang, nach außen nur ein Devisenvergehen bei einer „Großen Fahrt“ nach Schweden: Der Notgroschen für Bahnfahrten, falls das Trampen nicht mehr klappte.

Der Graue Orden

aus dem Willi Graf später zur Weissen Rose kam, war eine katholische Gruppe, die sich in der Art des Wandervogel organisierte, entsprechende Bewegungen gab es in sozialistischer Jugend und als jüdische Gruppen.

Der Wandervogel als junge europäische demokratische Bewegung

Die Wandervogel-Bewegung hatte in ihrer Vielfalt einige durchgehende gemeinschaftliche Prinzipien, die über Klampfe oder Laute, Gesang und Lagerfeuer hinausgingen: Europäisches Denken statt nationaler Enge, Gleichrangigkeit und Anti-Militarismus, Gespräche und gemeinschaftliche Lösungen, die sie versuchten, nach der Gleichschaltung untereinander aufrecht zu erhalten.

Die HJ-Fahne der Ulmer zierte auch ein schmaler Wimpel der dj1.11, den Hans dort angebracht hatte: Dieser wurde beim Reichsparteitag (1935 in Nürnberg) konfisziert. Nach: Jäger und Gejagte: Über den deutschen Widerstand im Dritten Reich und was aus Tätern und Opfern wurde; von Bernd Wohlgut

Eine verbreitete Methode der Gestapo war es, die Jugendlichen zu Kommunisten abzustempeln und sie auf dieser Grundlage zu verfolgen. Als „Beweis“ dafür diente der in vielen Bünden der 1920er und frühen 30er Jahre verbreitete Russenkult.

Vor allem die dj.1.11 mit ihren russischen Liedern und Balalaikas galt als „kulturbolschewistisch verseucht“, nicht zuletzt weil deren Führer Eberhard Koebel vorübergehend Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen war. So hetzte die Führerzeitschrift der HJ „Wille und Macht“ schon 1933: „Bündische Jugend ist heute Bolschewismus“.

Gelang es nicht, Jugendliche aus politischen Gründen zu verfolgen, wurde auch das Verbot der Homosexualität, der §175 herangezogen – dies allerdings zumeist als reiner Vorwand mangels anderer Belastungsmöglichkeiten, wie 1941 in einem Lagebericht der HJ freimütig eingestanden wurde:

„Bei der Bekämpfung der Bündischen Jugend aus politischen Gründen gelang mangels anderer gesetzlicher Grundlagen die Zerschlagung der Bünde fast immer auf dem Wege über ein Strafverfahren wegen Vergehens nach §175 StGB.“ [1] http://www.jugend1918-1945.de/thema.aspx?s=5322&m=3447&open=5322schmutz-und-schund

buendische_jugend.txt · Zuletzt geändert: 2021/06/03 18:03 von fritz