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dj.1.11

Die "Deutsche Jugend 1-11" bezog sich auf ihren Gründungstag am 1.11.1929:

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Jungenschaft_vom_1._November_1929

Die Wandervogel-Bewegung entstand etwa 1906 im Berlin-Hamburger Raum, breitete sich rasch über die europäischen Länder aus, wie die Kunde von der gleichzeitigen Bewegung der Älteren um den Monte Verità.

Während sich einige Wandervogel-Gruppen im Lauf der Jahre zu einer Art „Lebensbund“ mit fortdauernder Kameradschaft auch von Frauen und Männern entwickelte, wollten sie ein „Jungen-Bund“ bleiben.

Hans Scholl hatte schon 1937 ein Verfahren wegen „bündischer Betätigung“ und §175 und hatte sicher schon eine Akte, denn er war als Ulmer Vertreter der Hitlerjugend beim Reichsparteitag Nürnberg 1935:

Die HJ-Fahne der Ulmer

zierte auch ein schmaler Wimpel der dj.1.11, den Hans dort angebracht hatte: Dieser wurde beim Reichsparteitag konfisziert. Nach: Jäger und Gejagte: Über den deutschen Widerstand im Dritten Reich und was aus Tätern und Opfern wurde; von Bernd Wohlgut

Eine andere verbreitete Methode der Gestapo war es, die Jugendlichen zu Kommunisten abzustempeln und sie auf dieser Grundlage zu verfolgen. Als „Beweis“ dafür diente der in vielen Bünden der 1920er und frühen 30er Jahre verbreitete Russenkult.

Vor allem die dj.1.11 mit ihren russischen Liedern und Balalaikas galt als „kulturbolschewistisch verseucht“, nicht zuletzt weil deren Führer Eberhard Koebel vorübergehend Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen war. So hetzte die Führerzeitschrift der HJ „Wille und Macht“ schon 1933: „Bündische Jugend ist heute Bolschewismus“.

Gelang es nicht, Jugendliche aus politischen Gründen zu verfolgen, wurde auch das Verbot der Homosexualität, der §175 herangezogen – dies allerdings zumeist als reiner Vorwand mangels anderer Belastungsmöglichkeiten, wie 1941 in einem Lagebericht der HJ freimütig eingestanden wurde:

„Bei der Bekämpfung der Bündischen Jugend aus politischen Gründen gelang mangels anderer gesetzlicher Grundlagen die Zerschlagung der Bünde fast immer auf dem Wege über ein Strafverfahren wegen Vergehens nach §175 StGB.“ [1] http://www.jugend1918-1945.de/thema.aspx?s=5322&m=3447&open=5322schmutz-und-schund

Verfolgung Bündischer Betätigung 1936 / 37

1936 hatte sich die NS-Bewegung einerseits etabliert, bemerkte aber an allen Ecken und Enden, dass sie nicht weiter kam: Leute, die sich weg duckten, die nicht eifrig „Heil Hitler“ grüßten, und in den Kirchen gab es Kritik, die dann mit dem „Röhm-Putsch“ in der „Nacht der langen Messer“ mit etwa 100 Morden beseitigt werden sollte.

Es gab quer durch Europa nicht nur Wandervogel und bündische Jugend aller Arten, demokratische und sozialistische, christliche und jüdische Jugendbewegungen, es gab auch liberalen Austausch und pazifistische Zusammenschlüsse, und eine breite demokratische, undogmatische Auseinandersetzung mit Aufrüstung, Militarismus und Pazifismus, der eigentlich eine riesige Bewegung war:

Sabine Kebir: Im Zwielicht, junge welt Fr. 9.okt.2020 Nr. 236 S. 12-13 ausführlich zu den Wendungen im Leben von tusk

Eckhard Holler: Auf der Suche nach der Blauen Blume. Die großen Umwege des legendären Jugendführers Eberhard Koebel (tusk) Lit. Verlag Münster 2020 und „100 Jahre Hoher Meißner 1913-2013“ Das Blättchen Nr. 21 v. 14.10.2013 https://das-blaettchen.de/2013/10/100-jahre-hoher-meissner-1913-2013-26834.html

Ulmer Wandervögel in der Hitlerjugend

Hans Scholl und seine Ulmer Freunde und Geschwister hatten noch versucht, ihre Fahrten-Tradition aus dem dJ.1.11 in die Hitlerjugend Ulm zu integrieren, wofür er und einige Freunde (und Sophie?) 1937 in Untersuchungshaft landete und ein Verfahren wegen „Bündischer Betätigung“ bekam.

Dabei kam nebenbei ein Verfahren wegen §175 und Sex mit Kameraden in Gang, nach außen nur ein Devisenvergehen bei einer „Großen Fahrt“ nach Schweden: Der Notgroschen für Bahnfahrten, falls das Trampen nicht mehr klappte, waren ein paar Münzen, unten in der Handcreme-Dose.

ausgeblendet oder unbekannt?

dj.1.11.txt · Zuletzt geändert: 2021/06/03 23:18 von fritz