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Homosexualität als Krankheit: Eine Mythologie

Mythen sind ein alter Versuch, die Welt zu erklären, und so gab es in aalen Kulturen die Geschichten über Mann und Frau, das Werden der Kinder, das Sterben und den Sinn des Lebens.

Je nach Kultur gab es verschiedene Bilder, Gött*innen, Rituale, die ihre Zuständigkeit hatten, und bei der „Normalität von Frau und Mann als Familie“ gab es Besitz, Eifersucht, Seitensprung, Untreue, Verrat, Verstoß, aber auch die Arten des „Anders sein“ von Allein-Lebenden, Medizin-Leuten, Waldmenschen, …

Ein ferner Spiegel können die Berichte anderer Kulturen sein,

wie sie hier zitiert werden, und im Sinne der Aufklärung und der Kritischen Theorie kann sich unser Blick weiten:

Indigene und Naturvölker kannten auch Mehr- oder Zwischen-Geschlechter und ordneten ihnen Heilungs-Aufgaben zu,

Die Abraham-Religionen von Judentum, frühem Christentum und Islam - grade kürzlich am Weltfrauentag vom Papst wurde seine Herkunfts-Region besucht - feiern mit Abraham und den Berichten vom Opfer des Sohnes, das durch einen Widder ersetzt wurde, eine Abkehr von der Opferung der Erstgeborenen.

Diese Hirten-Religion und ihre Übergänge zum Ackerbau mit „göttlich angewiesener“ Landnahme bestimmt immer noch das Denken der westlichen und östlich-orthodoxen Welt, mit den Vorstellungen vom Endzeit-Krieg und Weltuntergang - entsprechend der Schöpfung vor gut 5000 Jahren, was nicht nur im Bibel-Belt in der evangelikalen Welt wörtlich geglaubt wird.

Das Mittelalter hatte außerhalb der Kirchen und Klöster auch noch eine reiche Aberglauben- und magische Dämonen-Welt, die bis heute die Dachfirste und Umrandungen wie der Mariensäule in München umgeben: Engel sind die Sieger gegen die Lemuren, Wesen aus verschiedenen Tiergattungen, die Unglück anzeigen …

Das Mittelalter hatte auch den gehörnten griechischen Fruchtbarkeits-Gott Pan mit Bocksfuß oder ganzem Unterkörper zum Teufelsbild gewählt: Zuerst war es noch der römische Drache, das Bild für den übermächtigen Staat, der seine Bürger / Kinder frisst, den wir noch in Märchen kennen.

Die christliche Aufklärung hatte sich auch in der jüdischen Haskala niedergeschlagen, was bei vielen Juden der letzten paar hundert Jahre zur freieren gebildeten Lebensform führte, wogegen die katholischen und vor allem die orthodoxen Christen irgendwo ins 11. Jahrhundert zurück wollen.

Alle Zeiten hatten ihre Bilder der Homosexualität

Der Mann, der bei dem Mann liegt … soll umgebracht werden? David hatte eine innige Freundschaft mit Saul, da wurden auch schon die Kleider getauscht. Was das damals bedeutete? Mehr als heute!

Er tanzte auch mit erhobenem Glied vor seinem Volk … Übersetzungsfehler?

Das Mittelalter hatte die Angst vor den Dämonen, die von der Sünde angelockt werden könnten, und verbannten liebende Männer lieber aus dem Ort, aber es gab allerlei Möglichkeiten, auf Fahrt oder Studium zu gehen, auch ins Kloster, zu den Soldaten, und der kirchliche Missbrauch von Einfluss und Macht hat sicher so alte Geschichte.

Erst das preußische Strafrecht, das mit der Reichseinigung unter Bismarck auch in Bayern Gültigkeit bekam, hatte den §175. Zuerst nicht so sehr von Belang, hatten die Zeitungen aber mit der Eulenburg-Affaire 1907-09 mit Verleumdungen im Freundeskreis des Kaisers Aufsehen erregt und Bilder gebracht: Herren, die sich wie Frauen bewegen, sehr rundliche Hintern und schmale Füßchen, die damalige edle Mode, denn es gab wohl etliche so effiminiert auftretende Stricher und Herren, die solchem Klischee entsprachen, in Berlin.

In Hitlers Umgebung gab es eine ähnliche Sammlung, die ab 1931 um Ernst Röhm als Chef der SA zu finden war. Im Streit um die Vorherrschaft gegenüber der Reichswehr zog der rundliche Herr den Kürzeren, und auch sein Freundeskreis, darunter ein Haidhauser Hakenkreuzler und brutaler Schläger, des es bis 1934 zum Polizeichef Edmund Heines wurde in der „Nacht der langen Messer“, in der über 100 Menschen reichsweit der Inszenierung des angeblichen „Röhm-Putsch“ am 30. Juni 1934 zum Opfer fielen.

Wieder hatte die (dann vor allem ausländische) Presse Bilder von Anspielungen auf Analverkehr, runde Hintern und weibliches Benehmen gebracht, obwohl das hier sicher nicht angebracht war.

Aus Angst vor ähnlichen Angriffen und als Druckmittel gegen die bündische und kirchliche Jugendarbeit wurde der §175 verschärft, und es reichten Liebesbriefe oder pubertäre Hosentürl-Berührungen, um vor Gericht und möglicherweise ins KZ zu kommen. Hans Scholl hatte in seiner Hitlerjungend-Gruppe 1937 so ein Verfahren, weil er und seine Freunde sich in demokratisch-bündischer Manier nach Schweden getrampt waren und sich als Teil der Jugend1.11 verstanden hatten.

krankheitsbild_homosexualitaet.1619017187.txt.gz · Zuletzt geändert: 2021/04/21 16:59 von fritz