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Michail Alexandrowitsch Bakunin

geboren 30.Mai 1814 auf einem Gut zwischen Moskau, Twer und Petersburg, der Vater hatte noch 500 Leibeigene, im Privat-Unterricht mit den Geschwistern lernte er etliche Sprachen, begann Feuerbach, Fichte, Schelling und Hegel zu lesen und mit seinen Geschwistern zu diskutieren, und treu dem Zaren ging er noch in die Kadettenschule nach Petersburg, die er wegen militärischer Geistlosigkeit verliess, studierte in Moskau und schrieb erste Artikel in Zeitschriften zur Freiheit in Hegels Denken …

 "Die Freiheit des Menschen besteht nur darin, dass er den Naturgesetzen gehorcht, 
  weil er sie selbst als solche anerkannt hat und nicht, 
  weil sie ihm von irgendeinem fremden Willen, 
  menschlich oder göttlich, kollektiv oder individuell, 
  äußerlich auferlegt wurden."

https://twitter.com/Bakunin_1876 und http://www.bakunin.de/

Dann wollte er nach Berlin, um dort Professor für Moskau zu werden, doch schnell ging es weiter zu den Aufständen nach Paris und nach Belgien ...

    Die Lust der Zerstörung ist gleichzeitig eine schaffende Lust.

Ein russischer Adels-Spross von 1814 verliebt sich in deutsche Philosophie (über Fichte, Schelling zu Hegel) und in die französische Rebellion, die er 1848 mitgestaltet,

    "Leute wie du wachsen in den Stürmen 
    und reifen besser bei Gewitter als bei schönem Wetter" 

Freund Reichel zu M.Bakunin, in Madeleine Grawitz: Bakunin, Ein Leben für die Freiheit, S.79

    "Gott selbst kann nur durch eine freie und große Tat verstanden werden. 
    Gott ist Freiheit und Freiheit wird allein durch Freiheit erkannt. 
    Freiheit ist die höchste sich selbst produzierende sich selbst schaffende Tat." 
    
    "Leben heißt nicht nur denken, sondern sein, 
    das heißt ein handelnder, tätiger Mensch zu sein. 
    Nur Tätigkeit ist das wirkliche Leben, 
    aber eine wirkliche Tat ist nur gegen die tatsächlichen Fesseln möglich." 

Madeleine Grawitz: Bakunin, Ein Leben für die Freiheit S.93

und lernt im Streit mit Karl Marx beim Vater der Anarchie: Proudhon

Die kommunistische Idee als zentralistische Partei aus westlicher Denkstruktur missfällt dem russischen Romantiker, der auf die einzelnen Menschen setzt:

Arnold Ruge 1845 zu Michail Bakunin:

    "... die Deutschen sind keine Bürger, sondern Untertanen, 
    sie sind keine freien Menschen, sondern, politisch gesprochen, Nullen ... 
    Uns fehlt das, was die Franzosen besitzen: 
    Der Sinn für die Politik und der politische Mut." 

Madeleine Grawitz: Bakunin, Ein Leben für die Freiheit, S 108

M.Bakunin an Arnold Ruge 1844:

    "wann wären die Deutschen nicht um Jahrhunderte zurück gewesen? ... 
    Sie werfen ihm vor, es sei nicht frei, es sei nur ein Privatvolk. 
    Sie sagen was es ist, wie wollen sie damit beweisen was es sein wird? 

Das war im ersten Viertel … des Buches und des Lebens: M.Grawitz: B. Ein Leben für die Freiheit S109

Nach den Aufstand in Dresden (u.a. mit Richard Wagner) wird er verhaftet und nach Österreich ausgeliefert, und landet nach einer Abschiebung nach Russland und Todesurteil, begnadigt für einige Jahre in der Festung St. Petersburg http://www.petersburg-info.de/die-peter-und-paul-festung/

Nach einer Beichte an den Zaren, in den er noch Hoffnung auf die Abschaffung der Leibeigenschaft in Russland setzt, die aber der Adel mit seinen Besitzrechten verhindert, wird er nach Sibirien in die Verbannung geschickt, wo er seine polnische Antonia heiraten kann und flieht:

Über Japan in die USA und „zurück“ nach London, wo seine Verleger- und Zeitschriften-Kollegen sitzen. Er schreibt in seinem Leben viele Artikel und Briefe, hofft immer noch auf sein Erbteil und lebt immer in Darlehen von Freunden. Er gründet immer und überall „Geheimbünde“, die nur manchmal mit den Assoziationen der Internationale der Arbeiter zusammen passen, aber jeweils selbt bestimmt vor Ort weiter wirken.

Die Bewegungen der nationalen Identitäten der deutschen Länder, der slawischen Länder in Panslawismus, aber in regionalen Konkurrenzen … auch die polnische Befreiung von der russischen Besetzung sind Auseinandersetzungen in den Bewegungen.

Die großen Namen, die diese Bewegung hervorgebracht und die das despotische Regime des russischen Zarismus herausgefordert hat, sind Alexander #Herzen, Michail #Bakunin u. Pjotr Alexejewitsch #Kropotkin. https://form7.wordpress.com/2020/05/23/offizierskarriere-wissenschaft-und-politik/

Hinüber-ragen ins Heutige:

Nach den Jahrzehnten seiner Reisen, den Jahren im Knast und den Tausenden von Briefen … landet er für die längste kommende Zeit in der Schweiz, deren Aufenthaltsrecht er erst spät erlangt.

Ausflüge zu den Aufständen in Lyon und in Italien, für Spanien hat es nicht mehr gereicht …

Zur Pariser Kommune am 23. März 1871 aus der Ferne:

   "in Paris hat sich genau das gefunden, was uns in Lyon und in Marseille gefehlt hat, 
   eine Organisation und Menschen die entschlossen sind, bis zum Äußersten zu gehen." 

Michail Bakunin: ein Leben für die Freiheit M.Grawitz s 404

Die Internationale wurde 1872-74 von Marx und Engels so autoritär gegen #Bakunin ausgerichtet, der eine breite Selbstorganisation der Arbeitenden als Grundlage der Revolution wollte, keine zentralistische Partei, so dass die Schweiz, Italien und Spanien ihren eigenen Weg gingen.

https://blog.nationalmuseum.ch/2019/10/anarchisten-im-jura/

Das lebendige Kulturdenkmal Bakuninhütte

In idyllischer Natur zwischen Thüringer Wald und Rhön lässt es sich nicht nur ausgiebig wandern. Der Ort ist auch ein praktisches Beispiel gelebter Solidarität und gegenseitiger Hilfe. https://bakuninhuette.de/

Auch in Sachsen-Meiningen gab es wie in Bayern das Phänomen der Bauernräte in der Novemberrevolution. Zugleich soll die Veranstaltung einen Überblick geben, wie lokale Geschichte aufgearbeitet werden kann. Ein Erfahrungsaustausch mit dem Referent bietet sich dabei an.

Relevant für die Entwicklung des Nationalsozialismus sind die Folgejahre nach der Gründung des Freistaats Bayern. Hier gibt es ebenfalls Parallelen mit dem Land Thüringen, in dem sich später frühzeitig rechtsextreme Kräfte etablieren konnten.

https://bakuninhuette.de/termin/muenchner-raeterepublik-und-gruendung-des-freistaats-bayern-vor-100-jahren/

Extinction Rebellion und Gewaltfreie Aktion, Anarchie

Als vor 200 Jahren die ersten Vorkämpfenden die Bürgerrechte über Adel, Monarchie und Besitztum stellten, die Rolle von Kirchen, Militarismus und Erziehung klar machten, war noch nicht von der Endlichkeit des Lebens durch Gier und Rohstoff-Zerstörung zu ahnen.

Aber Leibeigene, Sklaven und Kolonisierte fanden Wege der Befreiung, auch wenn die Reaktion und Parteien sie immer wieder täuschten. Anarchie, Gewaltfreie Aktion, Fridays for Future und Extinction Rebellion https://xrebellmuc.blogspot.com

Ein Vorläufer im Französischen: Gegenseitigkeit bei P.J.Proudhon

Sehr zum Ärger von Karl Marx hatten sich die Delegierten der internationalen Arbeiterkongresse nach 1860 in Paris, London und Genf auf die Themen der Gegenseitigen Hilfe, ein anderes Stichwort damals für Anarchie und Selbstbestimmung, konzentriert, statt die „deutsche Kampfpartei“ aufzubauen.

1860 begannen Arbeitersport und vielerlei Selbstorganisationen in den einzelnen Berufen, Chöre und Fahrrad-Spar-Vereine, Genossenschaften aller Art …

Pierre-Joseph Proudhon

In der Februarrevolution von 1848 traf er Michail Bakunin und entwickelte als Abgeordneter der französischen Nationalversammlung ein Arbeitsprogramm. Er erstrebte eine Entwicklung zum Sozialismus ohne Gewalt, getragen von der freien Entscheidung der Arbeiter.

Proudhon lehnte jede staatliche Gewalt ab und prägte die Überzeugung der Anarchisten, wonach die unbegrenzte Freiheit der Menschen die Grundvoraussetzung für eine sozialistische Ordnung sei:

  „Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, hat irgendjemand gesagt, ist Diebstahl. 
  Nun wohl! Die Regierung des Menschen durch den Menschen ist Sklaverei!“

https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre-Joseph_Proudhon

in die Kritische Psychologie

„Die Sinnlichkeit (siehe Feuerbach) muß die Basis aller Wissenschaft sein. Nur, wenn sie von ihr, in der doppelten Gestalt sowohl des sinnlichen Bewußtseins als des sinnlichen Bedürfnisses, ausgeht – also nur wenn die Wissenschaft von der [menschlichen; jh] Natur ausgeht –, ist sie wirkliche Wissenschaft.“

http://kulturkritik.net/systematik/philosophie/mew/index.php?bd=40&pg=543

In Bezug auf Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, wäre … der erste Satz in brauchbarer Weise rückbezüglich wie folgt zu adaptieren: „In einer transzendental-kritischen Philosophie des Erkenntnisvermögens muss die Sinnlichkeit die Basis aller Darstellung der Formen von Erkenntnis sein.“

Die „Philosophisch-ökonomischen Manuskripte“ gehen dem gegenüber über einen allein erkenntniskritischen Transzendental-Diskurs hinaus, und zwar überaus einschlägig, insofern eine DOPPELTE Gestalt der Sinnlichkeit festgehalten wird: das sinnliche Bewusstsein (Kant) UND das sinnliche Bedürfnis (Marx).

… Mitnahmen von Topoi .. aus der Sphäre sinnlichen Bewusstseins, d.h. der sinnlichen Erkenntnis im engeren Sinne, hinein in die Sphäre sinnlicher Bedürfnisse bzw. Bedürftigkeit UND sinnlicher Erkenntnis: exemplarisch etwa hinein in so etwas wie „gegenständliche Tätigkeit“.

https://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/sendung810108.html Podcast von 2014 nicht zu finden

Bakunin (1814 - 1876) war bereits zu Lebzeiten ein Mythos. Der russische Adlige wurde wegen der Teilnahme an Aufständen in Paris, Dresden und Prag mehrfach zum Tode verurteilt, begnadigt, in Russland inhaftiert und nach Sibirien verbannt. Von dort floh er über Japan und die USA nach Europa, wo er sich der Arbeiterbefreiung zuwandte. Bald geriet er mit Karl Marx in Konflikt, dessen autoritären Führungsstil er kritisierte. Bakunin plädierte für die Anarchie, für eine dezentrale von unten nach oben organisierte und gewaltlose Gesellschaft der Freien und Gleichen ohne Staat und Ausbeutung. Er kämpfte gegen die „Diktatur des Proletariats“, gegen eine Eroberung des Staates auf parlamentarischen oder revolutionären Weg: Bakunin prognostizierte, „… dass eine Diktatur kein anderes Ziel haben kann, als nur das eine, sich zu verewigen … Freiheit kann nur durch Freiheit geschaffen werden …“ - Den Traum von einer gerechten, antiautoritären Gesellschaft hatte Bakunin allerdings nicht als Erster. Er begegnet schon in den alten Religionen Persiens und Palästinas und bei den Ketzern des Mittelalters. Doch erst mit der Französischen Revolution gewannen diese Utopien politische Stoßkraft. Es waren keine Arbeiter, sondern emanzipierte Bürger wie der Journalist Babeuf oder der Textilindustrielle Owen, die mit Genossenschaften zu experimentieren begannen. Die Bewegung hatte ihre Paradiesvögel: Charles Fourier verband die soziale Revolution mit einer befreiten Sexualität. Der Schneidergeselle Wilhelm Weitling forderte die Abschaffung des Geldes und eine zentralistische Planwirtschaft. Die sozialistischen „Klassiker“ Marx und Engels vermissten bei diesen bisweilen recht romantischen Vordenkern die wissenschaftliche Fundierung, übernahmen aber viel Ideengut vor allem von Henri de Saint-Simon und dem „Kommunistenrabbi“ Moses Hess. Neben dem Trend zum Staatssozialismus blieb in der Arbeiterbewegung immer die Idee der genossenschaftlichen Selbstverwaltung lebendig: Die freie Assoziation kleiner Produzenten könne die Anhäufung von Profit in den Händen weniger Reicher und die Ausbeutung der Arbeiter am besten verhindern.

http://www.bakunin.de/

Bei der Bakunin-Hütte in Meiningen waren auch Erich Mühsam und viele Anarchisten zu Gast, der Meininger Wanderverein Bakuninhütte erhielt den Erich-Mühsam-Förderpreis https://bakuninhuette.de/termin/erich-muehsam-und-die-anarchistischen-gruppen-in-berlin-eine-spurensuche-rund-um-den-hackeschen-markt-preisverleihung-der-erich-muehsam-gesellschaft/

Erich Mühsam war in den frühen 1930er Jahren in Meiningen auf der Hütte und schrieb etliche Postkarten, auch an Zenzl in Berlin, wo er nach der Ausbürgerung aus Baiern in der Hufeisen-Siedlung lebte.

Erich Mühsam und Meiningen:

Ich hatte die Ehre, dort als Referent eingeladen zu sein, und im Verein im Rats-Saal von den Arbeiten um die Räterepublik in München zu berichten. Sie hatten einen Bericht und einen Film davon gemacht, der auch auf der Seite zu finden ist:

http://bakuninhuette.de/termin/muenchner-raeterepublik-und-gruendung-des-freistaats-bayern-vor-100-jahren/

Anarchismus von Voltairine De Cleyre, 1901 Chicago

reaktionär oder revolutionär?

https://www.tagblatt.ch/meinung/reaktionaer-oder-revolutionaer-ld.1245388

… „Nur in der Schweiz konnte die Revolution von 1848 reüssieren und die Verfassung nach den Prinzipien der Aufklärung und Französischen Revolution verankert werden. Mit der Totalrevision von 1874 wurde die Partizipation radikal zur direkten Demokratie weiterentwickelt, mit Initiativen und Referenden.

Die Schweiz wurde, zum Ärger der aristokratischen Nachbarn, zum Zufluchtsort der Revolutionäre, Libertären und Anarchisten – wie Michail Bakunin. Die Gründung der «Antiautoritären Internationalen» fand 1872 in St-Imier statt. Es wurde ein Solidaritätspakt besiegelt, nach den Prinzipien Autonomie und Föderalismus. Im gleichen Jahr wurde Bakunin Ehrenbürger der Gemeinde Mosogno im Onsernone, wo der Geist der Selbstbestimmung und die Skepsis gegen Obrigkeiten noch heute lebendig sind.

Michail Bakunin hielt die Bottom-up-Eidgenossenschaft für das einzige Land mit ausreichend demokratischen und föderalistischen Strukturen. Er starb in Bern, sein Grab liegt auf dem Bremgartenfriedhof. Wegen seiner Kritik am autoritären Zentralismus wurden er und andere Anarchisten von Karl Marx aus der Ersten Internationale ausgeschlossen.“ https://www.tagblatt.ch/meinung/reaktionaer-oder-revolutionaer-ld.1245388

michail_bakunin.txt · Zuletzt geändert: 2020/08/10 14:57 von fritz