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rosa_luxemburg

Rosa Luxemburg hatte ihre anti-militaristische Arbeit schon 10 Jahre vor dem „Europäischen Krieg“, wie Franz Marc ihn noch dachte, auch gegen die allgegenwärtige Aufrüstung unternommen, und Friedensbewegungen aller Art und Einstellung hatten zehntausende von - auch bürgerlichen - Mitgliedern:

Alfred Nobel ließ sich von Bertha von Suttner in ihrer Beziehung zu den Friedenspreisen überzeugen, aber die Medien haben wenig Interesse an solch kleinen Geschäften, die Rüstungsindustrie zahlt seit Jahrhunderten besser …

Rosa Luxemburg hatte viele Stationen gelebt:

Rosa Luxemburgs Lebenslauf findet ihr mit Bildern auf Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Luxemburg

In meiner Geschichte kam Rosa bisher immer nur in Fragmenten vor, aus Vorträgen und Begegnungen, und nach der intensiveren Beschäftigung mit Michail Bakunin sehe ich etliche Parallelen, vor allem in der Kritik der zentralistischen Partei-Macht, um die sie lange auch mit Lenin gestritten und um seinen Kurs der „Reinigung“ gestritten hatte, die Stalin dann weiter führte.

Nächste Aufgabe wird noch die Erinnerung an Augustin Souchy, der auch - wie Rosa - seine Auseinandersetzung mit Lenin gehabt hatte und dann als Anarchist viele Genossenschaften und freie Gewerkschaften in südamerikanischen Ländern aufgebaut hatte.

Antimilitaristin, Internationalistin

Ihre polnische Heimat war russisch besetzt, ihr Studium konnte der Nationalökonomie sie erst in Zürich mit Promotion abschließen, viele Artikel und Briefe schreibend,

Reform oder Revolution

Die großen und die kleine Ziele auseinander halten, Bewegungen und parlamentarische Möglichkeiten auseinanderhalten, wirkliche Frauenrechte gibt es nur in der herrschaftsfreien Gesellschaft. Marx, Engels, Lasalle, aber nicht dogmatisch: Weiter denken und in die Gegenwart übertragen

  Eine sozialistische Gesellschaft kann nur in Freiheiten aufgebaut werden

Rolf Schwendter: Rosa Luxemburg im Botanischen Garten

  Viele Genossen hör’ ich reden vom Proletariat,
  seh’ ich Papers formulieren und Mao-Tse-tung schrein,
  seh’ ich wütend über den, der hat und der nicht hat,
  seh’ ich nachts fahl beim Bier und niemals allein.
  
  Und währenddessen werden ihre Herzen zu Stein,
  währenddessen wird ihr Gesicht zu Stein,
  da fällt mir Rosa Luxemburg ein.

Refrain:

  Rosa Luxemburg im Botanischen Garten
  lauscht mit Karel Liebknecht der Nachtigall,
  kann die Blüte des Faulbaums kaum erwarten,
  hört auf des Wendehalses klagenden Schall:

Gligligligligliglick, gligligligligliglick.

  Rosa Luxemburg im Botanischen Garten
  soll euch ein ermutigendes Beispiel sein,
  sonst kriegt vor der Zeit euer Bewusstsein die Scharten,
  schließt ihr nicht Natur und Kunst und Lehen mit ein.

April 1917:

  in Russland hat unlängst begonnen das große Gefecht:
  Rosa hat auch andre Erinnerungen.
  Der blühende Tiergarten, im Südende Maiprachtwonnen,
  Rosa kocht grüne Bohnen ä la Parisienne.
  Ein Blumenatlas im Kerker und kein Herz zu Stein,
  Knospen und Schneegraupeln und kein Gesicht zu Stein:
  so fällt mir Rosa Luxemburg ein.
  Im Botanischen Garten geht Rosa mit Karl
  auch vorbei unter Silberpappeln und manch’ anderem Baum,
  die Blaumeise grüßt sie leise und der Ligusterstrauch.
  Die jungen Blätter, schreibt sie, stehen voller weißer Flaum.
  Samenflaum füllt die Luft wie Schnee, kein Herz zu Stein.
  Hundert Krähen zum Schlafbaum: kein Gesicht zu Stein,
  da fällt mir Rosa Luxemburg ein.
  „Ich habe“, sagt Rosa, „manchmal das Gefühl,
  ich hin kein richtiger Mensch, sondern auch irgendein Vogel oder ein anderes Tier in Menschengestalt;
  innerlich fühl’ ich mich im Feld unter Hummeln im Gras
  viel mehr in meiner Heimat als auf einem Parteitag.
  Ihnen Sonja, kann ich ja  wohl das alles sagen;
  Sie wissen, ich werde trotzdem auf dem Posten sterben;
  in einer Straßenschlacht oder im Zuchthaus.
  Aber mein innerstes Ich gehört mehr meinen Kohlmeisen als den Genossen. 
  Unter den gelben Sternen der Zierjohannisbeere allemal,
  unter der Zierkirsche rötlichem Laub liest Rosa Hölderlin,*
  liest Goethe und Dehmel, hört Hugo Wolf,
  der Himmel ist aus Opal,
  und Lenin steigt Berge und Mao schwimmt ruhig im großen Fluss dahin.
  Und währenddessen werden unsere Herzen zu Stein.
  Und währenddessen wird unser Gesicht zu Stein, da fällt mir Rosa Luxemburg ein …
  

Die CD gab es bei der Grünen Kraft von Werner Pieper

Julia Killet, Fiktion und Wirklichkeit

Rosa Luxemburg, Wissenschaftlerin gegen Parteien-Zentralismus

Rosa Luxemburg hat bis heute ein gefürchtete Wirkung, die als kämpferische kluge Frau im Studium der Volkswirtschaft, im Unterricht an der Parteischule der SPD, im Gefängnis und in Zeitungsredaktionen geschult wurde, wie Kurt Eisner, der mit Julian Assange als verfolgte und ermordete Journalisten Eines gemeinsam hatten: Den Blick auf die Wirklichkeit wichtiger zu nehmen als Diplomatie, Macht und Wirkung. Es ist revolutionär zusagen, was ist!„

„Ihre Gedanken und ihr Einsatz für die Revolution und den demokratischen Sozialismus sind auch über 100 Jahre nach ihrer Ermordung noch immer aktuell. Dies bezeugen nicht nur zahlreiche Konferenzen weltweit zu ihrem Wirken und Denken, sondern auch mehr als 40 Biographien sowie Dramen, Lyrik, Dokumentationen und Filme. Im Mittelpunkt der vorliegenden Dissertation steht das Rosa-Luxemburg-Bild in der deutschsprachigen Prosa von 1919 bis ins 21. Jahrhundert.

Rosa Luxemburg lebt in einer entscheidenden Epoche des europäischen Sozialismus. Sie vertritt einerseits ihre sozialistische Politik mit dem Ziel, den Kapitalismus zu überwinden. Anderseits wird sie als Autorin leidenschaftlicher Liebesbriefe bekannt und als begeisterte Tier- und Naturfreundin. Diese scheinbar widersprüchlichen Charakterfacetten finden sich in verschiedenster Gewichtung auch in der über sie verfassten biographischen und literarischen Prosa wieder.“ BESTELLEN: https://kulturmaschinen.com/produkt/julia-killet-fiktion-und-wirklichkeit/

Ich nehme an, dass Paulo Freire auch die Arbeiten von Rosa Luxemburg zugänglich waren, denn seine Gedanken folgen ihren Vorstellungen der Bildungsarbeit mit Arbeitenden:

„Aufklärung durch Taten!“.

Mehr dazu bei Brangsch, Lutz/ Pieschke, Miriam (Hrsg.): Sich nicht regieren lassen. Rosa Luxemburg zu Demokratie und Organisierung. Ein Lesebuch. Dietz Berlin.

UND: https://www.academia.edu/45199787/_Aufkl%C3%A4rung_durch_Taten_Lehren_und_Lernen_bei_Rosa_Luxemburg

Lehren und Lernen bei Rosa Luxemburg

„Im Jahr 1899, kurz, nachdem sie nach Deutschland übergesiedelt und sofort in die Parteipolitik der SPD eingestiegen war, schrieb Rosa Luxemburg: „Grundsätze der Sozialdemokratie lassen sich ebenso wenig aus Broschüren und Vorträgen allein erfassen, wie sich das Schwimmen im Studierzimmer erlernen lässt.

Nur auf hoher See des politischen Lebens, nur im breiten Kampfe mit dem Gegenwartsstaate, in der Anpassung an die ganze Mannigfaltigkeit der lebendigen Wirklichkeit kann das Proletariat in sozialdemokratischer Richtung geschult werden.“

Sie sieht das Lernen also nicht als totes Studieren, sondern als praktische Angelegenheit. Dabei blieb sie. Im Dezember 1918, schon in der absteigenden Linie der Novemberrevolution, sagte sie auf der Verbandsgeneralversammlung der USPD von Groß-Berlin:

   „Jetzt in der Revolution können keine Reden, keine Broschüren die notwendige 
   Aufklärungsarbeit leisten. Jetzt kommt es auf eine Aufklärung durch Taten an.“

1907 unterrichtet sie an der Parteischule in Berlin Nationalökonomie, betont aber auch gegenseitiges Lernen:

Praxislernen und Wissensproduktion `von unten ́

„Zwei Dinge machen Luxemburgs Auffassung so bemerkenswert. Erstens versteht sie das Lernen in einer revolutionären Partei nicht einfach als Befüllung der proletarisch-sozialdemokratischen Köpfe mit Weisheiten.

Das Lernen in der Praxis durch die Proletarier*innen selbst ist eine mindestens gleichwertige Form. Damit ist der zweite, viel wichtigere Punkt verbunden.

Die Mitglieder von Parteien und Gewerkschaften sind für Luxemburg nicht einfach Empfänger*innen von Bildung, sondern auch Produzent*innen von Wissen. Das Erfahrungswissen der Bewegung ist für sie nicht weniger wichtig als das von Intellektuellen und Funktionär*innen vermittelte.

Nicht nur, dass sie die SPD-Führung immer wieder hart kritisierte; sie forderte vom Parteivorstand zudem, dass er von den Massen lernen sollte. Mit ihrer Vorstellung vom beständigen Lernen der Arbeiter*innen bleibt sie den Wurzeln der kommunistisch-sozialdemokratischen Bewegung treu.

Schließlich erwuchs diese aus zwei eng verbundenen Quellen:dem Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit und dem gemeinsamen Lernen. Organisatorisch bildet sich die spätere SPD aus Arbeiterbildungsvereinen und aus deren Emanzipation vom ursprünglich liberal-bürgerlichen Bildungskanon.

Luxemburg war selber Dozentin an der SPD-Parteischule und sah sie ihre Arbeit dort nicht als akademische Veranstaltung,sondern als eng verbunden mit ihrer propagandistischen und publizistischen Tätigkeit. Ihre Idealvorstellung war: Ein halbes Jahr Parteischularbeit, ein halbes Jahr Propaganda oder auch ein halbes Jahr lernen von den Schüler*innen der Parteischule, ein halbes Jahr lernen in Diskussionen mit den sozialdemokratischen Massen.

Revolution als Lernprozess

Diese Auffassung von Lernen und Lehren hat weitreichende Konsequenzen für die Rolle der Partei in politischen Auseinandersetzungen. Reformen müssen als Lernprozesse gestaltet werden, um eine Revolution, die Überwindung der kapitalistisch-bürgerlichen Ordnung, möglich zu machen.

Revolutionen lassen sich nicht „schulmeistern“. Die in Revolutionen nötige Fähigkeit, Kräftekonstellationen und Handlungsmöglichkeiten schnell zu bewerten und Chancen zu nutzen,setzt selbständiges Denken voraus. Dieses muss vorher gelernt werden, wie auch die Fähigkeit, der Initiative der Massen zu vertrauen.

Luxemburgs Verständnis vom Lernen stützte sich so auf zwei organisationspolitische Voraussetzungen. Auf der einen Seite auf die Bindung der Abgeordneten und Funktionäre an die Massen. Und auf der anderen Seite aufweitest mögliche partizipative Formen.

Mehr dazu bei Brangsch, Lutz/ Pieschke, Miriam (Hrsg.): Sich nicht regieren lassen. Rosa Luxemburg zu Demokratie und Organisierung. Ein Lesebuch. Dietz Berlin.

UND: https://www.academia.edu/45199787/_Aufkl%C3%A4rung_durch_Taten_Lehren_und_Lernen_bei_Rosa_Luxemburg gemeinschaftliches Lernen

Der unsichtbare Feind im Hintergrund

https://de.wikipedia.org/wiki/Antibolschewistische_Liga

„Im Februar 1919 veröffentlichten führende Mitglieder der Liga wie Stadtler, Troeltsch, Gleichen und Joachim Tiburtius in der katholischen Tageszeitung Germania einen Aufruf zur Gründung einer Liga zum Schutze der deutschen Kultur.[33] Unter diesem Namen trat die Antibolschewistische Liga fortan auf. Die Führung der Organisation hielt die Umbenennung für nötig, nachdem Liga-Großveranstaltungen in Essen und Hamburg von Arbeitern gesprengt worden waren. Dies schien anzuzeigen, dass der ursprüngliche Name „verbrannt“ war.[34]“

https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsb%C3%BCrgerrat

„Große Bedeutung erlangte vor allem der bayerische Landesbürgerrat, der als Bayerischer Bürgerblock firmierte, den Ausbau der regionalen Einwohnerwehren vorantrieb und später enge Beziehungen zur Organisation Escherich unterhielt.“

https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Organisation_Escherich_(Orgesch),_1920/21

https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Eduard_(Sachsen-Coburg_und_Gotha)

Zum Leben und zu den Positionen Rosa Luxemburgs: https://rosaluxemburg.org/de/

Kurt Eisner und Sonja Lerch https://kritische-praxis.blogspot.com/2021/05/pier-paulo-pasolini-der-traum-von-einer.html

rosa_luxemburg.txt · Zuletzt geändert: 2021/05/16 16:32 von fritz